Ugur Soygur

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Osmanische Logik

 

Großmann Erdogan behauptet doch jetzt dreist, der Angriff auf den Club Reina in Istanbul habe das Ziel, die Bevölkerung zu spalten: „Das Volk soll gegeneinander aufgehetzt werden, aber wir werden nicht darauf hereinfallen.“ hahaha – wenn es nicht so traurig wäre – grrrr

Dies ist in der Tat eine interessante und gewagte These des Mannes, der seit Wochen und Monaten vorsätzlich und  systematisch die verschiedenen Volks- und Religionsgruppen in der Türkei aufhetzt und dabei weder vor Krieg und Terror, noch der Aushebelung sämtlicher vefassungsgemäßer Rechte der Bürger zurückschreckt.

Die Bevölkerung ist längst zutiefst gespalten. Der Riss geht quer durchs Land, und nicht nur zwischen Kernland und Kurdistan. Das Klima in den großen Städten im Westen ist längst ebenso  vergiftet. Diverse Verhaftungswellen, AKP gesteuerte Denunziation, zunehmender Islamismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie – all dies findet sich wie selbstverständlich auch in den modernen und eher liberalen Vierteln der Stadt, vom Land ganz zu schweigen.

Erdogan ist inzwischen jeder Sinn für die Realität in seinem Land verloren gegangen, der Mann ist in hohen Graden paranoid und damit so gefährlich! Aber keiner hier rührt sich, obwohl wir viele Mittel hätten, ihn zumindest etwas zur Raison zu bringen. Das Schweigen in Berlin und Washington regt mich maßlos auf.

Der Terror geht weiter…

Und sagt mir bitte nicht, dass uns die Türkei Erdogans jetzt nichts mehr angeht. Es passierte auf der europäischen Seite des Bosporus, in der modernsten und westlichsten Stadt des Landes, einem Nato Mitglied, nicht weit von der griechisch-bulgarischen Grenze (EU Gebiet). Es waren Menschen, die bloß Silvester feiern wollten, es war wie im Bataclan: Tod am Ort des Spaßes, der Freude – Panik, Blut und Fassungslosigkeit. Es hätte genauso Mailand, Bukarest oder Frankfurt sein können. 😦

Erdogan erntet jetzt die Früchte seiner verfehlten Politik, nur, dass die Suppe die einfachen Leutchen auf der Straße auslöffeln müssen, während er gut geschützt in seinem schwarz gebauten Riesen-Palast in Ankara sitzt. Es ist zum kotzen – sorry. Das neue Jahr fängt an, wie das Alte – gestern der furchtbare Anschlag in Bagdad, der ja hier nur noch eine Fuß-Notiz ist. Aber auch da wurden MENSCHEN zerfetzt, Kinder, Frauen, berührt uns das nicht mehr? Wie beschämend ist unsere Fähigkeit zu verdrängen? Und nicht vergessen: das sind alles „sichere Herkunftsländer“, in die unsere liebe Regierung, ohne mit der Wimper zu zucken, abschiebt… 🙄

Türkei

Es wird weiter an der Totalitarismus-Schraube gedreht

Nicht nur, dass man allen kurdischen Abgeordneten jetzt die Immunität entzieht, nach dem Motto: Kurde = Terrorist, obwohl der größte Terrorist, der seine eigene Bevölkerung bombardiert, in Ankara sitzt. Jetzt geht es auch noch den Akademikern in den Unis an den Kragen. Alle Professoren, die eine Friedensresolution unterzeichnet haben, werden aus dem Staatsdienst entfernt, was einem Berufsverbot gleichkommt. Derweil hat der Präsident unsere türkisch-stämmigen Abgeordneten auf das Übelste verunglimpft, sie als abtrünnige Landsleute bezeichnet, die man einem Gentest unterziehen müsste.

Ein merkwürdiges Verständnis von Staatskunde, denn es sind deutsche Bürger im deutschen Parlament. Unser Parlamentspräsident ist dann auch der Einzige, der einigermaßen klare Kante gegen die Zumutungen aus Ankara zeigt, während es im Kanzleramt und dem Präsidial-Amt merkwürdig ruhig bleibt. Unsere Kanzlerin hat sich auf Gedeih und Verderb diesem Despoten in Ankara ausgeliefert, während der Präsident wohl das positive Bild seiner fünfjährigen Regentschaft nicht mehr durch irgendwelche Querelen beschädigen will. Schade eigentlich…

Schlimmer ist die Hass-Kampagne die jetzt aus der Türkei hierher schwappt und die munter weiter vom Staatschef angestachelt wird – dies könnte noch sehr gefährlich werden! Ob Ankara damit gut beraten ist, oder ihnen der von ihnen geschürte  Hass und die Brutalität des eigenen Regimes am Ende auf die eigenen Füsse fällt, sei dahingestellt. Noch jeder Diktator ist irgendwann gestürzt und die Rache des Volkes wird dann um so fürchterlicher, je länger vorher die Agonie andauerte. Das politische Klima innerhalb der Türkei ist jedenfalls restlos vergiftet, es herrscht Willkür und die Bevölkerung lebt in Angst. Das Land steht vor der totalen Gleichschaltung und mich wundert, dass dies in Europa kaum jemand zu interessieren scheint?

Die „Armenienfrage“

Mit über einjähriger Verspätung will sich der Bundestag doch noch durchringen, eine Armenien-Resolution zu verabschieden, in der nun ausdrücklich das Wort „Völkermord“ vorkommt. Was für ein Eiertanz um eine Selbstverständlichkeit, die jeder seriöse Historiker sofort bestätigen würde. Hätte man das nicht schon letztes Jahr machen können, als der „runde“ Gedenktag anstand? Der Despot in Ankara schäumt ja auch schon wieder und droht, wie wir es nicht anders von ihm kennen. Es ist eine Peinlichkeit, dies nicht endlich öffentlich von höchster Stelle aus zuzugeben. Im Grunde schießt der Mann sich damit ein Eigentor
– Größe sieht entschieden anders aus…

Peinlich ist allerdings auch, dass weder unsere Kanzlerin, noch der Vizekanzler oder der Außenminister an der Sitzung teilnehmen werden.

Allen, die sich noch nicht näher mit dem Thema beschäftigt haben, empfehle ich wärmstens einen preisgekrönten Dokumentarfilm – danach bleiben eigentlich keine Fragen mehr offen! Ich hatte mich letztes Jahr im alten Blog ausführlich der Aufarbeitung dieser Geschichte gewidmet…

UPDATE 2.6.16

Der Bundestag hat heute mit nur einer Enthaltung und einer Gegenstimme die Resolution angenommen, worauf der türkische Botschafter aus Berlin abgezogen wurde. In der Türkei hat immerhin die kurdische Partei diesen Fingerzeig aus Berlin  begrüßt und die eigene Regierung aufgefordert, sich endlich den Tatsachen der türkischen Geschichte zu stellen. Allerdings stehen diese Leute selbst unter Beschuss durch Erdogans AKP-Staat. Man wird sehen, wie es jetzt weiter geht. Was will der Despot schon groß machen: den Deutschen verbieten sein Land zu besuchen? Die kommen eh schon nicht mehr, oder viel weniger. Die Russen bleiben inzwischen ganz weg, die Tourismusindustrie im Süden liegt praktisch brach. Der Mann schneidet seinem Volk nur ins eigene Fleisch. Vielleicht merkt das die Basis auch irgendwann mal und entledigt sich ihres Diktators – zu hoffen wärs!

Totalitarismus die Zweite

AUCH IN DER TÜRKEI GEHT ES STETIG WEITER BERGAB

Im neuen Jahresbericht von Freedom House ist der EU-Kandidat Türkei auf den Status „unfrei“ abgerutscht. Platz 134 von 197 Ländern, deren Pressefreiheit die US-amerikanische NGO bewertet; und 17 Plätze minus innerhalb nur eines Jahres. „Wir gehen rasch auf ein totalitäres System zu“, stellte der türkische Oppositionsführer Kemal Kiliçdaroglu am Freitag dazu fest: „Wir beobachten Dinge, die wir nicht einmal unter der Militär-Herrschaft gesehen haben“. Die völlige Gleichschaltung der Presse steht nun unmittelbar bevor.

Regierungschef Tayyip Erdogan und sein Sohn Bilal haben unlängst die Tageszeitung Sabah und den Fernsehsender ATV gekauft, wahrscheinlich mit Hilfe befreundeter Industrieller. Damit können die Beiden jetzt noch umfassender ihre „Schäfchen“ von morgens bis abends mit Erdo-Nachrichten der positiven Art zukleistern. Wagen es andere Medien, etwas gegen die Regierung oder den Präsidenten zu sagen, kann ganz schnell das Kittchen winken. Inzwischen wandern nicht nur Journalisten und Fernsehleute, sondern auch unbotmäßige Polizeioffiziere oder Richter und Abgeordnete in Untersuchungshaft, wenn sie gegen Erdogroßmann aufmucken. Die Gewaltenteilung ist längst aufgeweicht und wenn selbst ein Mann wie Regierungschef Davotuglu hinschmeißt, wie letzte Woche geschehen, dann ist etwas gewaltig faul im Staate. Auch in der AKP gibt es längst Opposition gegen Erdoboss, aber die wagen sich noch nicht so richtig aus der Deckung – man hängt gerade das Fähnchen in den Wind.

Derweil geht es mit der Wirtschaft der Türkei weiter bergab. Der Tourismus z.B. ist schwer getroffen. Die Russen kommen gar nicht mehr und die Westeuropäer immer weniger. An der Südküste, wo die Urlaubsstädte jetzt brummen müssten, sieht es düster aus. Viele Hotels mussten schon schließen, die ganze Region steht und fällt mit dem Tourismus. Ähnlich sieht es am schwarzen Meer aber selbst in den Metropolen Istanbul, Izmir und Ankara aus. Die Leute haben nach den Anschlägen im Winter und Frühjahr Angst, zu kommen. Die Händler, Guides und Hoteliers merken es. Gleichzeitig gerät auch der künstliche Erdo-Bauboom langsam an seine Grenzen. Es fehlt schlicht die Liquidität, um immer weitere Prestige-Projekte aus der Taufe zu heben. Die Mittelschicht hat berechtigte Abstiegsängste und das sind Erdos Wähler!  Werden sie enttäuscht, was immer wahrscheinlicher wird, dann kann Großmann keine Wahlen mehr gewinnen – es war ja jetzt schon nicht mehr möglich. Zudem verschlingt der Krieg im Osten sinnlos Ressourcen und Menschenleben und lässt die Türkei immer weiter im internationalen Ansehen sinken.

Aus all diesen Parametern erklärt sich die hektische Geschäftigkeit in Ankara beim beschleunigten Umbau der Türkei zum Erdo-AKP-Staat. Man will damit fertig sein, bevor sich das Volk erhebt. Ein Bürgerkrieg in der Türkei ist gar nicht mehr so unwahrscheinlich, wenn es so weiter geht. Und dann gute Nacht Europa – dann kommen nämlich nochmal ein paar Millionen Flüchtlinge zu uns! Merkel & Co. sollten in Brüssel ganz schnell neue Verträge zimmern und dem Pseudo-Sultan am Bosporus gehörig auf die Finger klopfen. Im Grunde ist die Türkei auch schon lange nicht mehr als Nato-Partner tragbar – mir ist schleierhaft, warum man das in Brüssel und Washington noch mitmacht. Ankara kann uns ganz schnell in Teufels Küche bringen mit seinen Eskapaden, wenn die meinen, plötzlich den „Verteidigungsfall“ ausrufen zu müssen, aber völkerrechtswidrig im Irak und im eigene Land bombardieren und russische Flugzeuge abschießen.

Raus mit der Türkei aus der NATO und um Gottes Willen nicht rein in die EU! Man sieht ja jetzt, was Erdo mit dem kleinen Finger, den wir ihm gereicht haben, gemacht hat. Merkel hängt schon bis zum Ellbogen in der, mit Verlaub gesagt, Scheiße. Und ich weiß verdammich nochmal nicht, wie sie da wieder raus kommen will, den der Mann am Bosporus lügt und macht was er will – das ist einfach kein verlässlicher Partner! Man sollte Erdo dann auch endlich so behandeln in Berlin, Paris und Washington. Je eher dieser Mann aus dem Amt gejagt wird, desto besser für das türkische Volk. Denn sonst gibt es noch einen Schrecken ohne Ende für uns in den nächsten Jahren. Dies Zaudern kann uns in Westeuropa in der näheren Zukunft noch äußerst teuer zu stehen kommen…

 

Note der Sechzig gegen den Türkei-Flüchtlings-Deal !

Eine von Jeremy Adler initiierte Resolution an die EU Oberen:

AN DIE STAATS- UND REGIERUNGSCHEFS DER EU !

Als Autoren, Wissenschaftler und Künstler sind wir verpflichtet, im Sinne der Menschenrechte zu handeln. Es obliegt uns daher, unsere Position zur Flüchtlingspolitik der EU zum Ausdruck zu bringen. Die Vereinbarung vom 18. März 2016, der zufolge „irreguläre“ Asylsuchende aus Griechenland in die Türkei zu deportieren sind, ist widerrechtlich. Sie verstößt gegen die Menschenrechte, wie sie die UN 1948 kodifiziert, gegen internationales Recht, und gegen EU Recht. Wie Alexander Betts, Direktor des Refugee Study Center der Universität Oxford, erklärt, und Juristen wie Guy S. Goodwin-Gill, ehemaliger juristischer Berater von UNHCR (1976-1988), glauben, ist die Maßnahme, was die Menschenrechte und das Gesetz betrifft, kaum haltbar. Das Recht, gegen das man damit verstößt, basiert auf der UN Convention von 1951 und demProtocol von 1967.

Zu den relevanten Prinzipien internationalen Rechts zählen: 1. Das Gebot der Nicht-Zurückweisung (non-refoulement); 2. Das Verbot der kollektiven Depor-tation; 3. das Recht der Asylsuchende auf Bewegungsfreiheit, Integration, Erziehung und Arbeit; 4. Das Verbot des Menschenhandels. Ein weiteres Prinzip findet sich im EU Dokument Förderung der Demokratie und der Menschenrechte (2014-2020). Im Geiste dieses Instruments hätte man in die Abmachung eine Klausel über die unbedingte Achtung der Menschenrechte und die Presse-freiheit in der Türkei einbauen sollen. Die Abmachung, indem sie finanzielle Vorteile für die Türkei in Form von Aufhebung von Visa-Restriktionen und Erweiterung des Zollvereins vorsieht, stellt eine Art „Menschenhandel“ dar. Zu befolgen wäre dagegen Richtlinie 2001/55/EG des europäischen Rates, die ein menschenwürdiges Vorgehen zum verbindlichen Ziel erklärt.

Die EU hat die Werte kompromittiert, die ihre Daseinsberechtigung ausmachen. Seit Anbeginn standen Frieden und Recht im Mittelpunkt der europäischen Idee. Diese Ideale hat man jetzt verspielt. Auf dem Gebiet der Menschenrechte hat die EU auf der Weltbühne an Glaubwürdigkeit verloren. Den Anspruch, als eine Gemeinschaft des Rechts zu gelten, hat sie in Frage gestellt. Die Migranten sind schutzlos den aktuellen Maßnahmen ausgeliefert. Einschüchterung, Inhaf-tierung und Deportation gehören zu den notwendigen Folgen dieser Politik — jeweils Formen der Gewalt. Alles Gute, das in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg mühsam erarbeitet wurde, um eine Wiederholung des größten Unrechts aller Zeiten zu verhüten, hat man aufs Spiel gesetzt. Diesen Missstand gilt es aufzuheben, um alle Asylsuchende nach den Grundsätzen der UN zu unterstützen, ihnen Hoffnung auf ein neues Leben zu schenken, und Europas Stellung als Hort der Menschenrechte wiederherzustellen.

UNTERZEICHNER:

Jeremy Adler, Aicha Arnout, Alicevon Bieberstein, Alfred Brendel, Anne Casile, Catherine Coquio, Isabelle Coutant, Marianne Dautrey, Didier Debaise, Kurt Drawert, PeterFilkins, Dorothée Fraleux, HansMartin Gauger, Christoph Geiser, Arlette Girardot, Rüdiger Görner, MariaChiara Gnocchi, Durs Grünbein, Peter Gülke, Pierre Halen, Hanna Hannah, Peter Härtling, Irene HeidelbergerLeonard, Hartmutvon Hentig, Dževad Karahasan, Aurélia Kalisky, Joachim Kalka, Navid Kermani, Sophia Könemann, Monika Körte, Katrin Kohl, Wernervon Koppenfels,MichaelKrüger, Geoffrey Lachassagne, Charlotte Lacoste, Frank Lemonde, Gertrud Leutenegger, Roswitha MatwinBushmann, Katharina Mommsen, Robert Menasse, Adolf Muschg, Per Øhrgaard, Uwe Pörksen, Sandra Pocceschi, Marion Rousset, Tuvia Rübner, Anthony Rudolf, Joachim Sartorius, Ingo Schulze, Marisa Siguan, Agnese Silvestri, Katrin Solhdju, Olga Stanislawka, Fritz Stern, Michael Stolleis, Jonathan White, Karin Winkelvoss, Lea Ypi, Adam Zagajewski

Derweil scheint in der Türkei ein offener Machtkampf zwischen Präsident Erdogan und seinem Regierungschef, Ministerpräsident Davotuglu, ausgebrochen zu sein. Letzterer möchte nun entgültig die Rolle als williger Erfüllungsgehilfe, von mündlich verkündeten Dekreten seines Chefs, ablegen. Auch vor diesem Hintergrund warne ich eindringlich davor, ausgerechnet jetzt die Visafreiheit für türkische Staatsbürger in der EU zu beschließen, nicht weil ich es den einfachen Menschen nicht gönne, sondern weil ich es für das absolut falsche Zeichen an Ankara halte, quasi noch eine Belohnung für all die antidemokratischen und kriegerischen Verwerfungen der letzten Wochen in der AKP geführten Türkei.

„Der Irre vom Bosporus hat wieder zugeschlagen“

In einer pointierten Rede hat Martin Sonneborn von „Die Partei“ im EU-Parlament den türkischen Präsidenten Erdogan scharf angegriffen. Dem unter Druck geratenen Musikprojekt „Aghet“ in Sachsen gab er dabei einen guten Ratschlag mit auf den Weg. Wir kennen und lieben Martin Sonneborn ja noch aus früheren Fernsehtagen und für seine lustige Mitarbeit bei der Frankfurter „Titanic“.

Die Rede von Martin Sonneborn im Wortlaut:

„Der Irre vom Bosporus, Erdogan, wie wir ihn im EU-Parlament liebevoll nennen, hat wieder zugeschlagen.  Diesmal hat er durch seinen Botschafter die EU-Kommission angewiesen, die Förderung für ein Konzertprojekt der Dresdner Sinfoniker einzustellen, das sich mit dem türkischen Genozid an den Armeniern beschäftigt. Die Kommission hat daraufhin das Orchester aufgefordert, entsprechende Textstellen abzumildern und das Wort ‚Genozid‘ zu vermeiden.

Als Mitglied des Kulturausschusses möchte ich einen Vorschlag zur Güte machen: Ich empfehle den Dresdner Sinfonikern dringend, das Wort ‚Genozid‘ zu streichen – und durch den Begriff ‚Völkermord‘ zu ersetzen. Ich bin Deutscher und mit Völkermord kennen wir uns aus.

Allerdings konstatiere ich mit einer gewissen Verblüffung, dass uns die Türkei hier allmählich den Rang abläuft. Deshalb möchte ich die türkische Regierung warnen, den hundertjährigen Rhythmus, in dem sie offensichtlich Genozide zu begehen gedenkt, derzeit genügt ein Blick auf die Lage der Kurden, nicht zu beschleunigen.

Sonst müssen wir darüber nachdenken, die Drecksarbeit mit unseren Flüchtlingen jemand anderem zu übertragen.  Nichts für ungut. Derzeit keine Türkei-Urlaube geplant.“

Dem kann ich mich nur in allen Punkten vollinhaltlich anschließen! Danke für diese klaren Worte, lieber Martin Sonneborn. Davon sollten sich die EU-Oberen und auch unsere Regierung eine Scheibe abschneiden! So und nicht anders muss das laufen und kein erbärmliches Rumgeeiere mehr! Klaro?!

Türkischer Wahnsinn

Recep Tayyip Erdogan ist ständig beleidigt, das ist so eine Art Krankheit von ihm: chronisches Beleidigtsein. Dabei beleidigt der Mann permanent die Intelligenz aller kritisch Denkenden in Europa und seinem eigenen Land. Sie landen schnell auf seiner schwarzen Liste – kommt der große Staatenlenker und osmanische Führer sich da nicht manchmal selbst lächerlich vor? Oft stößt er ja seine Kritiker erst auf neue Ungereimtheiten in seiner Argumentation durch dieses ständige Beleidigtsein.

Erdogans schwarze Liste dürfte dabei inzwischen die halbe Wohnbevölkerung Europas umfassen, während die allerorten ermittelnden Staatsanwaltschaften hoffnungslos überlastet sind, da das bestellte Denunziantentum jetzt immer weitere Kreise zieht. Es wäre vielleicht an der Zeit, seine Majestät, Sultan Erdogan, der inzwischen den europäischen Verantwortlichen die Erpressbarkeit praktisch täglich vor Augen führt, endlich mal in die Schranken zu weisen.

Der Mann mit den schwarzen Listen braucht dringend eine Lektion in Sachen Demokratie und Pressefreiheit! Warum sind die europäischen Regierungschefs da so zauderlich – wollen wir uns wirklich von diesem Demagogen und Diktator das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen? Neuester Coup an der Roll Back Front in der Türkei: Der Parlamentspräsident forderte eine Aufhebung der Laizität, Grundpfeiler der Türkei seit Atatürks Staatsgründung nach dem 1.Weltkrieg. Der Islam solle in Zukunft zur Staatsreligion erklärt werden. Was kommt dann als nächstes? Der islamische Staat, die Scharia statt eines Grundgesetzes? Wo soll das alles hinführen und warum geht es so rasend schnell?

Kann man einen solchen Staat noch in der Nato halten? Einen Staat, der seine eigene Bevölkerung bombardiert und zudem im Irak ohne Mandat eingreift, gleichzeitig aber den wirklich gefährlichen islamistischen IS gewähren lässt, sogar illegal billiges Öl von dort bezieht. Soll das ein verlässlicher Verbündeter für uns sein? Ich empfehle den Damen und Herren in Berlin, Paris, Brüssel und anderswo in Europa endlich auf den Teppich der Normalität zurückzukehren und die Tatsachen beim Namen zu nennen, Flüchtlinge hin oder her. Die Türkei ist dabei in eine Diktatur abzugleiten, es existiert dort weder Gewaltenteilung noch eine funktionierende Presselandschaft, es herrschen Willkür, Gewalt und Folter. Weder Polizei noch Gerichte kommen gegen den Erdo-Clan AKP an und das Militär verhält sich passiv bis zustimmend. Alles sehr, sehr bedenklich! Europa, bitte wache auf – aber ganz schnell, bevor es zu spät ist…

Bauernregel

 

„Wenn der Bauer verliert im Herbst die Hose
dann war im April der Gummi schon lose…“

 

Was treiben Frau Bundeskanzlerin ausgerechnet jetzt in der Türkei, soll man das „Gute Miene zum bösen Spiel machen“ nennen? Nichts gegen das türkische Volk, eine alte Kulturnation, gute Leute zum großen Teil! Unser beider Länder sind ja auch weiß Gott durch Höhen und Tiefen der letzten Hundert Jahre, teils in Verbundenheit, teils in Feindschaft gegangen. Aber Schwamm drüber! Nur, muss man ausgerechnet jetzt diesen Diktator und seinen Marionettenregierungschef besuchen? Ist es wirklich nötig, eine Führungsklicke, die mit ihrer AKP dem Land Unfreiheit, Krieg, Folter und Gleichschaltung aufgezwungen hat, durch einen medienwirksamen Besuch zu adeln?

Ich meine nein! Es wäre im Gegenteil die Pflicht der Kanzlerin gewesen, viel früher dem selbsternannten Sultan in seinem Schwarzbau in Ankara die rote Karte zu zeigen und ihn im Namen Europas in die Schranken zu weisen. Statt dessen lässt man sich auf windelweiche Abmachungen ein, zahlt viel Geld für unklare Versprechungen und macht sich zum Büttel eines großmannssüchtigen Bauernsohns, der von neuer Glorie seines Landes träumt, sein Volk aber klein macht und in der Welt blamiert.

Was war die Türkei für ein liberales Land, wenn man mal von den wenigen Jahren der Militärdiktatur absieht. Und was hat Erdogroßmann daraus gemacht? Der alte Atatürk würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sähe, was dieser Demagoge aus seinen Errungenschaften gemacht hat und was von den Reformen seit dem ersten Weltkrieg noch übrig geblieben ist. Eine Schande!

Frau Merkel besitzt nicht den Instinkt, das Richtige zu tun, sondern denkt nur an ihre Wiederwahl nächstes Jahr und dass sie dafür um jeden Preis jetzt, in diesem Frühjahr, den weiteren Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland irgendwie unterbinden muss. Und wenn man sich dafür mit Teufel und Beelzebub gleichzeitig ins Bett legen müsste. Ein Trauerspiel – ich hätte mehr Größe und Weitsicht von der Pastorentochter aus Mecklenburg erwartet, aber dies wäre wohl zu viel des Guten gewesen…

(der größte Treppenwitz Erdogan ist im Grunde nicht mal Türke, sondern Nachfahre griechischer und georgischer Einwanderer, will jetzt aber „seinem Volk“ beibringen, wie ein richtiger „Türke“ zu sein und zu leben hat…)