Gewitter über Montreux

éclairs sur Montreux

Auch in der Schweiz gab es schwere Gewitter – schön anzuschauen, wenn einem nicht gerade der Keller vollläuft – das Wetter ist crazy geworden…

Advertisements

Serdar Somuncu zu Besuch bei „Freunden“ in der Schweiz

Man beachte den feinen Subtext in diesem grob erscheinenden Vortrag!

Ich schätze Herrn Somuncu außerordentlich! Nicht nur weil er meilenweit aus der deutschen Comedian- und Kabarettsülze hervorsticht, sondern auch, weil ich ihn für einen äußerst selbstreflektierten und zur Selbstironie fähigen Menschen halte. Oft ist es ja so, dass sein Publikum an den „falschen“ stellen lacht und genau damit arbeitet Somuncu, hält den Leuten den Spiegel vor und verbittet sich bewußt eilfertige Claqueure.

Serdan Somuncu ist einer der Wenigen, die es schaffen, mich eine Talkshow einschalten zu lassen, denn wenn er dabei ist, gibt es meist etwas zu lachen, nur nicht für die Leute, die mit ihm diskutieren müssen. Auch dann merken die anderen Teilnehmer seltenst, wie sie vorgeführt werden – das kann mitunter sehr amüsant sein… Herr Somuncu ist ja eigentlich kein Comedian – ich hasse Comedians und mag kein Kabarett.

Der Mann ist studierter Publizist und veröffentlicht jedes Jahr mindestens ein Buch. Er mischt sich seit Jahren sehr fruchtbar in den gesellschaftlichen Diskurs unseres Landes ein und bietet dabei nicht Schablonenhaftes, wie so viele Andere, sondern immer fundierte und gut durchdachte, oft gegen den Strich rezipierte Gesellschaftskritik!

1.Mai im Kanton Fribourg

1er mai, fête du travail, la neige s'invite au pays de la Gruyère

„1er mai, fête du travail, la neige s’invite au pays de la Gruyère“

Wo der berühmte Käse herkommt, im Bezirk Gruyére, hat es über Nacht geschneit. Zum Glück sieht es in Frankfurt besser aus, die Sonne scheint und mittags sind 20°C angesagt – da heißt es nachher auf der Terrasse Platz nehmen mit  Buch und einem lecker Getränk (foto – Katell Ar Gow)

Europa und die Schweiz

Wollen unsere eidgenössischen Freunde auf ewig als „Insel der Seligen“ in der Mitte Europas verharren? Aber das geht doch gar nicht, oder? Kein vernünftig denkender Mensch kann glauben, dass eine solch überholte Abschottungspolitik in der heutigen Zeit noch Sinn macht oder überhaupt auf Dauer funktioniert. Mal sehen, wie weit unsere Nachbarn im Süden damit kommen. Und ich sage das ohne Ironie, denn ich habe die Schweiz über Jahre von Nord nach Süd und von Ost nach West bereist und sogar ein Jahr lang dort gelebt. Man kann nicht auf der einen Seite die Touristen aus dem Ausland wollen, der halben Welt seine Produkte verkaufen und das Kapital aller Herren Länder sammeln, und dann so tun, als sei man noch im 19.Jahrhundert, wo man als kleines, neutrales Land von feindlichen Großmächten umzingelt war.

Ohne die ausländischen Kräfte in der Gastronomie und Hotelerie geht es doch gar nicht mehr. Kein schweizer Krankenhaus kommt mehr ohne deutsche oder französische Krankenschwestern aus. Und man wird erstaunt sein, wie viele Ausländer in Lehre und Forschung oder dem mittleren Management der großen Konzerne des Landes beschäftigt sind. Die Billigkräfte vom Balkan sind in der Bau- und Reinigungsbranche nach wie vor äußerst beliebt und unverzichtbar. All diese Leute zahlen fleißig Steuern und Abgaben und verkonsumieren ihr Geld im Land, tragen also doppelt zum schweizer Bruttosozialprodukt bei. Warum dürfen sie dann nicht bleiben und nach einer Anzahl von Jahren auch Bürger werden? Um die vielen Touristen wird heftigst gebuhlt, die Belegungszahlen sind aber seit Jahren rückläufig. Der Eurokurs war sehr ungünstig für den Franken. Das haben viele Hoteliers bitter zu spüren bekommen. Ich denke, unsere eidgenössischen Freunde haben sich da ein Eigentor geschossen mit dem Volksentscheid. Man weiß ja, wer hinter dieser Initiative steckte – es sind immer wieder die selben Leute. Diese tun ihrem Land keinen Gefallen.

Mein These, allem populistischen Zirkus zum trotz: die Schweiz wird über kurz oder lang nicht um einen EU-Beitritt herum kommen. Die leidigen Währungsprobleme wären dann auch gelöst. Assoziiert ist das Land ohnehin schon in vielerlei Hinsicht, nur dass man dies den eigenen Bürgern nicht auf die Nase bindet. Die EU braucht die Schweiz längst nicht so sehr, wie die Schweiz Europa. Mir täte es leid, wenn die Entwicklung so weiter ginge, denn ich mag unsere südlichen Nachbarn. Ich hoffe, in dieser Sache ist noch nicht das letzte Wort gesprochen!

Wer über diese Thematik noch etwas schärfere Töne lesen möchte, den verweise ich auf Lukas Bärfuss Brandrede in der FAZ, die bereits innert und auch außerhalb der Schweiz für viel Wirbel gesorgt hat. Ein Schweizer kann wahrscheinlich am besten beurteilen, wie die Stimmung im Land ist. Am Sonntag sind ja die Wahlen und es wird mit einem Rechtsrutsch gerechnet.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/lage-in-der-schweiz-vor-parlamentswahlen-2015-trostlos-13856819.html

„Ein Volk von Zwergen will man hierzulande sein und bleiben. Darauf besteht man durch alle sieben Böden und bis ins hinterste Tal. Und man zeigt sich jetzt immer erstaunter, dass man vom Ausland plötzlich auch als Zwerg behandelt wird. Die Schweiz hat immer weniger zu sagen. Die Verhandlungen über das aktuelle europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen finden selbstverständlich ohne die Schweiz statt. Die neuen Bestimmungen in allen wirtschaftlichen Bereichen werden die Schweiz in einer Weise verändern, die die Torturen der letzten Jahre als lockere Dehnungsübungen aussehen lassen werden. Als Schweizer hat man dazu kein Wort zu sagen, aber wir werden natürlich nachvollziehen müssen. Der einzige Trost liegt im Umstand, dass man sich auch daran mittlerweile gewöhnt hat. Ein guter Teil der eidgenössischen Verwaltung ist damit beschäftigt, Gesetze nachzuvollziehen, die nicht in Bern, sondern in Brüssel oder New York erlassen wurden.“ (O-Ton Lukas Bärfuss)

Paul Nizon

„DIE FRANZOSEN LIEBEN IHN HEISS UND INNIG“

Der folgende Artikel erinnerte mich im letzten Jahr daran, dass ich Mitte der 80er Jahre Paul Nizon an der Frankfurter Universität bei seiner Gastprofessur gehört hatte. Anfang der 90er war er dann ein Jahr als Stadtschreiber in Bergen, in Frankfurts östlichem Zipfel. Der große Literat aus der Schweiz, der auch mal das Feuillton der „Neuen Zürcher Zeitung“ betreute, und seit den 70er Jahren in Paris lebt, hat aber nie so ganz den Status als „Geheimtipp“ unter Kennern verlassen. Obwohl ihm viele Auszeichnungen zuteil wurden, darunter aus Darmstadt der Kranichsteiner Literaturpreis. Es gibt also einige Verbindungen zu Hessen. Nicht zuletzt durch Suhrkamp – wenn der Verlag inzwischen auch (leider) in Berlin residiert. Nun ist Paul Nizon schon über 80 Jahre alt und bekam letztes Jahr in Paris Besuch aus Deutschland.

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article124316881/Die-Liebesvergiftung-ist-noch-lange-nicht-auskuriert.html

Hier also der für Nizon Fans sehr lesenswerte Beitrag von Jan Küveler.

Eine letzte Rose für Rilke

Ich wusste nichts von dieser Episode in Rilkes Leben und war berührt von Rudolf Koellas Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung. Die Liaison des Dichters mit Bailly in den 20ern war für mich neu:

http://www.nzz.ch/feuilleton/kunst_architektur/eine-letzte-rose-fuer-rilke-1.18370624 ein Beitrag aus der NZZ vom August letzten Jahres

„Eine spät erblühte Rose stellt auch Baillys 1924 entstandenes Bild «La dernière rose» dar, das, wie man aus ihrem Werkverzeichnis erfährt, im November jenes Jahres gemalt wurde – also nur kurz nachdem Rilke die Malerin in Lausanne aufgesucht hatte. Ob sie zu diesem Zeitpunkt wohl bereits ahnte, dass dies die letzte Begegnung mit dem schwerkranken Freund bleiben sollte? Hat sie das Bild wohl in eben diesem Bewusstsein gemalt, oder war es vielleicht sogar als ein letztes Geschenk an den verehrten Dichter gedacht? Wir wissen es nicht. Was wir wissen, ist, dass Rilke im Jahr darauf testamentarisch verfügte, er wolle auf dem Friedhof der kleinen Kirche in Raron begraben werden – da, wo er einst die Schönheit des Wallis entdeckte. Auf dem Grabstein aber solle ein neu ersonnenes Rosen-Gedichte mit folgendem wohlbekanntem Wortlaut stehen:

«Rose, oh reiner Widerspruch,

Lust niemandes Schlaf zu sein

unter soviel Lidern.“

Incidental Naturalist

Connecting people to nature

Bears Interrupted

Just another WordPress.com site

polarbeargermany

Eisbären in Deutschland