In Memoriam Lars Gustafsson

 

Ich habe den Schweden außerordentlich geschätzt und halte ihn für einen der bedeutendsten Autoren nicht nur der schwedischen, sondern sogar der europäischen Nachkriegsgeschichte. Zumindest für meine literarische Sozialisation war Gustafsson immer eine wichtige Richtschnur. Er gehörte ja zu den Alleskönnern! Nicht nur die Romane waren gut, sondern auch die wunderbaren Gedichte – ganz besonders schätze ich aber Lars Gustafssons Kurzgeschichten. Sein Werk wird in der Literatur-
Geschichte Bestand haben!

 

THE PROFESSION

So geht denn dieser lange Sommer zu Ende.
Mit jedem Jahr werden die Tage kürzer,
die Worte etwas langsamer.
Ich habe diesen Beruf nicht gewählt.
Dieser Beruf wählte mich.
Ich fand ihn immer
ein wenig absonderlich.
Das Mittelmäßige, das Oberflächliche
erntete stets Applaus und Lorbeeren
während das, was aus reinem Metall
und edle Schmiedearbeit war, spurlos vorüberging.
Es war wohl anderswohin unterwegs,
versteht sich.

Vielleicht hat es etwas bedeutet
den Onkeln zuzuhören
wenn sie auf der Veranda Karten spielten
und so eifrig versicherten
daß die Karten liegen wie sie liegen.

Die Karten sortieren und neu sortieren
und der Joker darf nicht dabeisein.
Und mitunter wird eine Karte hineingesteckt,
die in dem Spiel
gar nicht vorkam.

Wer mischt? Wer mogelt?
Nicht immer leicht zu wissen.

Nicht in einem Spiel,
in dem alles erlaubt ist, was gelingt.

Kurz gesagt: eine immerwährende Partie
weit draußen zwischen den Seen,
die so blank im Sommerlicht liegen,
weit draußen auf einer altmodischen Veranda
wo man grölt und die Karten auf den Tisch knallt.

Eine immerwährende Kartenpartie,
draußen auf einer altmodischen Sommerveranda,
der etwas frische Farbe gut täte,
wo ein paar Kerle grölen und die Karten
auf das einfache Wachstuch des Tisches knallen.

Und niemand weiß, wo es enden wird,
falls es jemals endet.

Und andauernd läuft das Radio.
Nicht dieser alte Kasten, ihr Schwachköpfe!
Ich meine ein anderes, ein »inneres« Radio
wo sich vier, fünf Stationen überlagern,
knisternd, mit Rauschen und Störungen.

Und nichts in einer begreiflichen Sprache!

Freunde!

Ich habe diesen Beruf nicht gewählt.
Dieser Beruf wählte mich.

 

Aus dem Schwedischen von Verena Reichel
aus: Auszug aus Xanadu. Gedichte.
München: Carl Hanser Verlag 2003.

Tomas Tranströmer

Der schwedische Lyriker und Nobelpreisträger ist im vergangenen Frühjahr verstorben. Bis zu einem Schlaganfall 1990 war Tranströmer auch ein begnadeter Klavierspieler. Haydn gehörte zu seinen Lieblingskomponisten:

ALLEGRO

Ich spiele Haydn nach einem schwarzen Tag
und spüre eine einfache Wärme in den Händen.

Die Tasten wollen, Milde Hämmer schlagen.
Der Klang ist grün, lebhaft und still.

Der Klang sagt, daß es die Freiheit gibt
und daß jemand dem Kaiser keine Steuer zahlt.

Ich schiebe die Hände in meine Haydntaschen
und ahme einen nach, der die Welt gelassen betrachtet.

Ich hisse die Haydnflagge – das bedeutet:
»Wir ergeben uns nicht. Sondern wollen Frieden.«

Die Musik ist ein Glashaus am Hang,
wo die Steine fliegen, die Steine rollen.

Und die Steine rollen quer hindurch,
doch jede Fensterscheibe bleibt ganz.

*

In Deutschland sind Tranströmers Gedichte bei Hanser erhältlich.
http://www.hanser-literaturverlage.de/autor/tomas-transtroemer/

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