Was hat unseren Außenminister nur geritten?

Ich habe Herrn Steinmeier sowieso gefressen – spätestens seit er in seiner Funktion als Kanzleramtsminister unter Schröder, den damals unschuldig von den Amerikanern internierten Herrn Kurnaz aus Bremen, zwei Jahre länger als nötig in Guantanamo schmoren ließ.

Aber jetzt hat der Mann entgültig den Vogel abgeschossen. Ist es ein Fall von verfrühter Alterssenilität oder nur Dummheit, dass der Vizekanzler die Nato für das Abstellen einiger läppischer Bataillione im Baltikum kritisiert und damit Putin beispringt. Der selbe Putin, der die Krim annektierte, Transnistrien besetzt hält und Truppen in der Ost-Ukraine stehen hat. Es werden ja auch mal Manöver mit bis zu 50.000 Mann an der Grenze zum Baltikum  abgehalten, da dürften unsere paar hundert Leutchen höchstens symbolischen Wert haben. Es reicht, dass unser Ex-Kanzler und erklärte Putin Freund Schröder ständig solchen Unsinn verzapft, inklusive der Formel „Putin = astreiner Demokrat“. Es lachen ja die Hühner – wenn es nicht so traurig und peinlich wäre…

Im Falle Steinmeier ist es aber etwas anderes: der Mann repräsentiert die aktuelle Regierung (die ich nicht gewählt habe – bewahre), die eben diese Nato-Politik beschlossen hat und mitträgt. Was ist da los? Ist dies merkwürdige Verhalten schon dem Wahlkampf nächstes Jahr geschuldet? Ist die SPD angesichts ihrer katastrophalen Wahlergebnisse so verzweifelt, dass sie bereits gegen die eigene Regierung arbeiten muss? Fragen über Fragen – vielleicht sollte „Eule“ mal eine Auszeit nehmen – das Wort-Geschwurbel des Außenministers konnte sich in letzter Zeit ohnehin kein Mensch mehr anhören…

Dmitry Glukhovskys „Metro 2035“

AUCH EINE VERSTECKTE ABRECHNUNG MIT PUTIN

Die düstere Zukunftsvision des Moskauer Autors Dmitry Glukhovsky, deren Hauptfigur „Artjom“ ist, gibt es jetzt in deutscher Übersetzung! „Artjom“ gehört zu den einzigen Überlebenden eines verheerenden Atomkriegs, der die Moskauer in den Untergrund trieb. Das Buch ist bereits der dritte Teil einer Trilogie nach „Metro 2033“ dass den Autor schlagartig berühmt machte und sich 20 Millionen mal in Russland verkaufte, sowie „Metro 2034“, der Fortsetzung von Teil 1. Glukhovsky ist noch ein junger Mann: geboren 1979, hat er seine Teenager Jahre in der wilden Zeit der Jelzin Ära verbracht, als der staatliche Besitz billigst verhökert wurde, der erste Tschetschenien Krieg tobte und die Oligarchen ihre neuen Reiche zimmerten. Er hat später  mit Freunden gegen Putin demonstriert, als die Medien noch nicht komplett gleichgeschaltet waren.

Von den einstigen Weggefährten sind nur einige wenige Standhafte geblieben. Glukhovsky sagt, dass die meisten jungen Leute sich anpassen und inzwischen den Lügen der Putin Propaganda glauben schenken. Es wird jetzt wieder überall der Popanz des bösen Westens reaktiviert, um die Russen in Unfreiheit halten zu können. An diese alten ideologischen Gräben erinnert auch „Metro 2035″. Im verzweigten System des Moskauer Untergrunds bekriegen sich die Soldaten der „Roten Linie“ mit den Faschisten des an Nazi-Deutschland angelehnten „Reiches“. Wobei hinter beiden angeblich verfeindeten Lagern doch wieder dieselben Köpfe stecken. Der alte ideologische Kampf ist bloß Ablenkung für das Volk – damit es nicht, wie „Artjom“ auf die Idee kommt, die staatlichen Lügen in Frage zu stellen. Denn dieser will nicht mehr im Untergrund verharren, er sucht den Weg nach draußen und kommt einer gigantischen Verschwörung auf die Spur…Prädikat lesenswert!

http://www.randomhouse.de/Paperback/Metro-2035/Dmitry-Glukhovsky/e445402.rhd

Bayerischer Sonderweg

Was hatte der bajuwarische Westentaschenkönig in Moskau zu suchen? Wollte er etwa F.J.S. nacheifern, der sich nicht entblödete, damals den Diktator Pinochet in Chile und gar die menschenverachtende Colonia Dignidad zu besuchen. Seit wann machen deutsche Ministerpräsidenten Außenpolitik? Ich finde den Vorgang unmöglich! Der Potentat im Kreml freute sich natürlich über die Steilvorlage aus München und schlachtete den Besuch medial kräftig aus  – oh diese Bayern. Natürlich hofft man dort auf gute Geschäfte für die heimische Industrie, Embargo hin oder her. „Mir san mir“, was interessiert uns da die politische Vorgabe aus Brüssel oder Berlin? Nein, das war ganz schlechter Stil und völlig kontraproduktiv! So löst man weder national noch international irgendwelche Probleme. Aber man hatte halt mal wieder Presse, das scheint für diesen depperten Mann die einzige Antriebsfeder zu sein – beschämend!

Sergej A. Jessenin

 

NACKT DIE WÄLDER

Nackt die Wälder, kahl die Fluren.
Auf den Wassern Nebel brauen.
Sonne rollt in flachen Spuren
Dorthin, wo die Berge blauen.

Aufgewühlt vergessen Wege
Ihren Wintertraum zu zügeln:
Daß sich neuen Leuchten rege
Bald, o bald mit weißen Flügeln!

Ach, ich selber will mir holen
Träume aus der Nebel Mitten.
Sieh: der Mond, fuchsrotes Fohlen,
Angeschirrt vor unserm Schlitten.

Alexander Puschkin

DIE WOLKE

Die letzte der Wolken nach Sturmes Gedräue
Nur du fliegst dahin durch die heitere Bläue,
Nur du wirfst den Schatten hinab auf die Au,
Nur du hüllst den festlichen Mittag in Grau.

Noch jüngst überdeckte den Himmel dein Dunkel
Und drohend umwand dich der Blitze Gefunkel,
Geheimnisvoll tönte den Donner dein Mund,
Du tränktest mit Regen den durstigen Grund.

Genug, geh von hinnen! die Zeit ist entwichen,
Die Erde ward kühl und die Stürme verstrichen
Und streichelnd die Blätter der Bäume gelind
Vom ruhigen Himmel verjagt dich der Wind.

Russlands Seele leidet

„Früher haben wir erzählt, wir würden ein westliches Land aufbauen, doch der liberale Schleier ist im Nu verflogen. Das Wir-sind-der-Westen-Spiel ist vorbei. Der Westen sei gefühllos und pragmatisch und Russland herzensgut und spirituell. Der Westen sei im Verfall begriffen, und Putin trete in der Rolle als Verfechter traditioneller Werte auf, heißt es. Russland ist bereits ein fundamentalistisches Land! Es ist gefährlich, zuzugeben, dass man Atheist ist, und eine Diskussion zu dem Thema zu beginnen.“

„Russland sagte der ganzen Welt den Kampf an und wird zum Anziehungsort sämtlicher antiwestlicher Kräfte. Russlands Argumente sind Atomwaffen und Energieressourcen. Es plustert sich auf angesichts des Erfolgs, es erinnert heute fatal an die deutsche Gesellschaft der dreißiger Jahre. In jüngsten Umfragen geben 71 Prozent der Bevölkerung an, für den Westen wenig übrigzuhaben, insbesondere für Amerika. Gekauft werden allerdings nur westliche Smartphones, Computer, Fernseher, Autos…“

SWETLANA ALEXIJEWITSCH – Nobelpreisträgerin