Richard von Schaukal

H E R B S T M O R G E N

Düster über den Dächern
dämmert ein kränkelnder Tag.
Mit zerfallenen Fächern
schwanken die Bäume zag.

Manchmal in jähem Erschauern
drängen die Ranken heran,
klammern sich an die Mauern,
flehen durchs Fenster mich an

Friedrich Schanzer

–   M O H N W I E S E   –

Der grünen Wiese Teppich,
Des Frühjahrs holde Spur…
Sich Mohn hat bald gereckt,
Und zeigt sein prächtges Rot.

Darf es so schön gar sein,
wo bald der neue Sommer streift?
Es darf – so lasst uns doch
genießen noch, dies kleine Glück.

Ingeborg Bachmann

NEBELLAND

Im Winter ist meine Geliebte
unter den Tieren des Waldes.
Daß ich vor Morgen zurückmuß,
weiß die Füchsin und lacht.
Wie die Wolken erzittern! Und mir
auf den Schneekragen fällt
eine Lage von brüchigem Eis.

Im Winter ist meine Geliebte
ein Baum unter Bäumen und lädt
die glückverlassenen Krähen
ein in ihr schönes Geäst. Sie weiß,
daß der Wind, wenn es dämmert,
ihr starres, mit Reif besetztes
Abendkleid hebt und mich heimjagt.

Im Winter ist meine Geliebte
unter den Fischen und stumm.
Hörig den Wassern, die der Strich
ihrer Flossen von innen bewegt,
steh ich am Ufer und seh,
bis mich Schollen vertreiben,
wie sie taucht und sich wendet.

Und wieder vom Jagdruf des Vogels
getroffen, der seine Schwingen
über mir steift, stürz ich
auf offenem Feld: sie entfiedert
die Hühner und wirft mir ein weißes
Schlüsselbein zu. Ich nehm’s um den Hals
und geh fort durch den bitteren Flaum.

Treulos ist meine Geliebte,
ich weiß, sie schwebt manchmal
auf hohen Schuh’n nach der Stadt,
sie küßt in den Bars mit der Strohhalm
die Gläser tief auf den Mund,
und es kommen ihr Worte für alle.
Doch diese Sprache verstehe ich nicht.

Nebelland hab ich gesehen,
Nebelherz hab ich gegessen.

Elisabeth Harnik

Zusammen mit Alison Blunt & Annette Giesriegel in Berlin

 Nur etwas für Hardcore Fans 😉

Elisabeth Harnik ist Pianistin, Komponistin und Improvisatorin.
Sie hat bei Beat Furrer in Graz Komposition studiert. Ihre Werke zeichnen sich durch eine gewisse Konsequenz, eine intensive Arbeit am Klang aus. Zentral an ihrer Arbeit ist ein selbst gesetztes Regelwerk und dessen Veränderung sowie Brechung in der Improvisation. Diese Regeln dienen Harnik als kompositorisches Gegenüber, als Reibefläche und virtueller Diskussionspartner. An der Improvisation schätzt sie vor allem die Interaktion mit Mitmusikerinnen und Mitmusikern. Dabei liegt Elisabeth Harniks Spiel zwischen hoher Intensität an den Tasten auf der einen Seite und subtiler Geräuscharbeit im Klavierinnenraum auf der Anderen .

Karl Heinz Böhm

Warum musste im Frühjahr wieder von den depperten Sissi Filmen gesprochen werden, wenn man an Karl Heinz Böhm erinnerte? Mir ist K.H.B. hauptsächlich durch großartige Rollen in den Fassbinder Filmen der 70er Jahre in Erinnerung – außerdem war er ein hervorragender Theaterschauspieler. Laßt bitte den Schrott aus den 50er Jahren wo er ist! Weder Romy Schneider noch Karl Heinz werdet ihr damit gerecht. Natürlich muss man heute auch sein tolles Engagement für Afrika in den letzten Jahrzehnten betonen, wenn man an ihn denkt, der im Mai  genau an Romys Todestag (seltsam) verstarb. Für mich ein ganz Großer!

Die berühmte Szene im Innenhof:

 Mit Margit Carstensen in Fassbinders „Martha“.
Das ist für mich Karl Heinz Böhm – schaut euch
den Film mal an bei Gelegenheit! In Interviews
hat er auch immer wieder betont, dass die 70er
die wichtigsten Jahre seines Lebens waren und
ihn überhaupt erst politisiert haben.

Ingeborg Bachmann

ALLE TAGE

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
sondern fortgesetzt. Das Unerhörte
ist alltäglich geworden. Der Held
bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache
ist in die Feuerzonen gerückt.
Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichnung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.

Er wird verliehen,
wenn nichts mehr geschieht,
wenn das Trommelfeuer verstummt,
wenn der Feind unsichtbar geworden ist
und der Schatten ewiger Rüstung
den Himmel bedeckt.

Er wird verliehen
für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.

Georg Trakl

UNTERGANG

Über den weißen Weiher
Sind die wilden Vögel fortgezogen.
Am Abend weht von unseren Sternen ein eisiger Wind.
Über unsere Gräber
Beugt sich die zerbrochene Stirne der Nacht.
Unter Eichen schaukeln wir auf einem silbernen Kahn.
Immer klingen die weißen Mauern der Stadt.
Unter Dornenbogen
O mein Bruder klimmen wir blinde Zeiger gen Mitternacht.

Elfriede Jelinek

„Wenn ich im Netz veröffentliche, dann gehört der Text mir, und er bleibt mir auch. Es hat etwas sehr Privates für mich, dieser Dialog zwischen einem Gerät und mir selbst. Gleichzeitig hat jeder darauf Zugriff, der will. Diese Mischung aus Privatem und Öffentlichem hat mich von Anfang an fasziniert.“

Seit einigen Jahren veröffentlicht die österreichische Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ihre Werke ausschließlich auf einer Homepage im Netz http://www.elfriedejelinek.com/ Sie sagt, der deutschsprachige Literaturbetrieb sei „extrem korrupt und nepotisch“. „Es ist ja immer lustig zu sehen, wer mit wem befreundet ist und wer wem einen Gefallen schuldig ist. Damit will ich jedenfalls nichts mehr zu tun haben“, meint die Autorin.

„Es ist immer eine Endfassung, die im Netz steht, und wenn etwas geändert wird, ist das auch eine Endfassung. Natürlich ist das dann weniger endgültig als eine Veröffentlichung in einem Verlag. Aber gerade das reizt mich ja daran. Das Buch ist ein Ziegelstein. Bei Neuauflagen kann man zwar Fehler korrigieren, mehr aber auch nicht.“

Ich bin ja ein großer Fan von Elfriede Jelinek, auch von den Theaterstücken. Vielen Menschen ist das alles zu sperrig – mir gefällts. Auch äußert sich die Autorin immer wieder zur aktuellen Lage in ihrem Heimatland Österreich, findet oft drastische Worte – auch das gefällt mir. Wer Zeit hat, sollte einmal auf ihren Seiten stöbern. Dort gibt es viel zu entdecken, auch kürzere Texte. Ein Muss für alle Literaturfans, politisch Interessierte und Theaterfreunde!

Jesse Thoor

Oh Herr…erbarme dich der Menschen
in der Zeit der großen Nöten.
daß sie, den Schafen auf der Weide ähnlich,
fromm beisammen stehn.
Und daß sie nicht die Leiber sich
noch ganz zertreten.
Erleuchte sie, und laß sie nicht
in Irrtum untergehn.

Und deine Sonne laß recht oft
auf alle Kreaturen scheinen.
Und gib, daß für die Armen endlich auch
das Osterfest beginnt.
Und schütze nicht die Lüsternen,
die Großen und die Kleinen,
und jene, die den Starken dieser Welt
zu sehr ergeben sind.

Incidental Naturalist

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