Bo Lo-Tian

G R Ä S E R

Lieblich leuchten und weit über ebenen Flächen die Gräser,
welken in einem Jahr und erstehen aufs neu….
Sengende Feuer im Herbst vermögen sie nicht zu zerstören:
Kommt erst der Frühlingswind, bläst er zum Leben sie an.

Shu Jun

 

Die fernen Sterne funkeln, meine Sehnsucht brennt.
Meine Träume winden sich über Berge und Pässe.
Meine verwirrte Seele fliegt durch Regen und Wind.
Was ist es, das die Heimkehr des Freundes verhindert ?

Shan Quiao

 

Blumenantlitz, Jadegesicht, ich sehe ihr so gütiges Herz im
verborgenen Hain, kostbares Floß, den Himmel durchquerend,
es gibt eine Furt im südlichen Meer – wer fährt mich hinüber ?
Während ich stickte, entstand ein Kind, dass die Göttin anbetet.

 

 

Lu Yu

DIE MÜCKEN

Die Mücken, zarteste Wesen,
Kennen die Zeit,
Weissagen den Frühlingswind,
der den Regen zerreißt.

 

Djü Bo

 

Zum Walde kehren bei Sonnenuntergang
die müden Vögel zurück…
Die schwebenden Wolken geben den Himmel frei
und kehren zurück zu den Bergen.
Doch es gibt Wanderer auf dem Wege,
fern, fern, die nichts wissen von Heimkehr.

Wu Wo

 

Sinne von Begierden gereinigt, lassen Staub verschwinden.
Nicht über grüne Himmel lachen, die ihre Färbung zeigen,
denn welcher Mensch kam nicht nackt auf diese Welt…

Dai Fu-Gu

Der Berg ruht in sich selber,
Die Wolke eilt:
Sand, der sich sammelt,
Wasser, dass sich teilt.

Ich trinke allein,
Den Blick uferwärts,
Die weißen Möven
Kennen mein Herz.

Li Yu

 

Von weit her kommt ein Koffer
auf mich zugerollt. Ich werde
verschwinden, bevor er da ist.

Li Wang

 

Fenster gehen am Morgen zum hellen Spiegel des Mondes auf,
bis im Herbst das bewachsene Tor die gedachte Brücke bedeckt.