Die ganz große Verarsche…

SCHLUCKT BAYER MONSANTO?  TTIP WÄRE DANN SEHR HILFREICH…

Ist es ein Zufall, dass Bayer gerade jetzt Monsanto übernehmen will, wo im Parlament, gegen jedes bessere Wissen, über die weitere Verwendung der Geisel  Glyphosat in unserer Landwirtschaft verhandelt und abgestimmt wird. Und kann es auch noch ein Zufall sein, dass gerade jetzt TTIP in Brüssel ausgekungelt wird, wo der größte in Gentechnik involvierte Konzern Amerikas, nämlich Monsanto, einer deutschen Unternehmens-Gruppe zugeschlagen werden soll?

Roundup Monsanto

Dann wird in den Medien wieder so getan, als wenn wir alle, die diesem Tun kritisch gegenüber stehen, Verhinderer einer „wirtschaftlichen Entwicklung“ seien, die aber 70% der Bevölkerung einfach nicht haben will! Wir wollen kein gentechnisch verändertes Essen!  Wir wollen kein Glyphosat im Honig, in der Milch oder im Bier! Wir wollen keine sterbenden Bienen und Vögel! Könnten das die großkopferten Herren in Leverkusen, Berlin, Brüssel und Washington bitte endlich zur Kenntnis nehmen ! ! !

Monsanto 003

Ganz davon abgesehen, dass diese weitere Konzentration in der Pharmaindustrie eigentlich vom Kartellamt verhindert werden müsste. Thema Marktmacht!  Und abgesehen davon, dass Bayer viel zu viel Geld hinlegen will für dieses Abenteuer einiger Manager und dabei unter Umständen die Stabilität des ganzen Konzern riskiert –  damit wieder tausende Menschen arbeitslos werden? Was soll das Theater also?

N-4

Innerhalb von nur zwei Tagen ist jetzt das Übernahmeangebot der Herren in Leverkusen von 55 auf 63 Milliarden erhöht worden – überbewertet, wie Analysten meinen, aber der US-Konzern ziert sich noch. Ein Irrsinn!

Monsanto hatte sich vom europäischen Markt längst verabschiedet, da hier (zum Glück) zu viel Widerstand in der Bevölkerung bestand. Und nun holen wir uns diese Brüder durch die Hintertür wieder rein und es wird noch als Fortschritt, als großer Coup verkauft? Ich fasse es nicht – wie dumm glauben die, dass wir sind?  Dann kommt die ganz große Giftschwemme und noch mehr Genfood, als wir ohnehin schon haben! Aber bitte weint nicht in zehn oder zwanzig Jahren, wenn die Menschen krank werden, wie es heute schon in den USA der Fall ist. Schon jetzt kann man bei mehr als 60% aller Bundesbürger Glyphosat im Urin nachweisen und es werden immer mehr…wollen wir diese Zukunft? Ich nicht!

(fotos – Mike Mozart – Occupy Reno Media Commitee – avrorra)

P A R A D O X O N

Sol

Was für ein Wunder eigentlich, dass wir uns genau in dieser Entfernung zur Sonne befinden , nicht näher und nicht weiter, dass es Wasser auf unserem Planeten gibt, dass wir einen Mond haben, der die Erdachse stabilisiert, dass wir ein Magnetfeld haben, welches uns vor schädlicher Strahlung aus dem All schützt – und was tun wir? Wir zerstören täglich und mit atemberaubender Geschwindigkeit dies Wunder im Weltall, führen Kriege, reißen die Erde auf, vergiften Flüsse und Meere, holzen die letzten Primärwälder ab und machen uns und den anderen Geschöpfen auf diesem kleinen Planeten das Leben zur Hölle – ist das nicht Irsinn?

Die Natur schlägt zurück

In Europa noch weitestgehend unbemerkt, spielt sich am anderen Ende der Welt, vor der chilenischen Küste, eine der größten Umwelt-Katastrophen der jüngeren Geschichte ab, deren wahres Ausmaß in seiner Tragweite noch gar nicht abzusehen ist. Der Pazifik kippt regelrecht um: durch El Nino hat sich das Wasser dermaßen erwärmt, dass es zu einer ungehemmten Algenblüte mit toxischen Stoffwechsel-Produkten kam, deren Gifte nun alles Leben im Wasser abtöten. Dies betrifft nicht nur die Fische, schlimm genug, denn die Sardinen-Schwärme sind die Grundlage der Nahrungskette und zudem Einkommensquelle für die Menschen.

Auch Krebstiere, Muscheln, Kalmare und sogar die an sich robusten Quallen sterben massenhaft. Die Strände sind auf hunderten von Kilometern mit einer übelriechenden Masse aus toten Tieren, auch Vögeln und Robben übersäht. Man kann mit Fug und Recht davon sprechen, dass hier die gesamte Nahrungskette völlig zusammengebrochen ist. Das Wasser ist im höchsten Maße gesundheitsschädlich, da nun auch die Zersetzungsgifte der hundertausend Tonnen Kadaver das Meer zusätzlich belasten. Es ist ein Elend für Mensch und Tier gleichermaßen…aber was werden wir in der Zukunft aus diesem Menetekel lernen?

(foto – el informante petentero)

Faszination des Schreckens

https://www.flickr.com/photos/premierofalberta/26839413765/in/album-72157667344002510/

Fort McMurray Wildfire

Fort McMurray Wildfire

Wie durch ein Wunder kamen bei den gigantischen Bränden in der Provinz Alberta rund um die Kleinstadt Fort McMurray bisher keine Menschen ums Leben – ich denke, dass dies inmitten des Desasters wenigstens etwas Positives ist. Die Höhe des Schadens dagegen ist noch nicht einmal zu erahnen, denn die Feuer sind weiter außer Kontrolle.

Dem Fotografen Chris Schwarz gelang in der Nacht des 4.Mai aus vielen Kilometern Entfernung diese beängstigende Fotoserie – sie lässt das Ausmaß der Katastrophe zumindest erahnen. Meine Gedanken sind bei all den Menschen, die jetzt Hab und Gut, ihren Arbeitsplatz oder geliebte Tiere verloren haben. Es ist noch viel zu früh für eine Bilanz. Fest steht aber schon ziemlich sicher, dass auch dieses Feuer, wie so viele vorher, durch menschliche Ignoranz, Dummheit und Fahrlässigkeit entstanden ist.

Der Mensch sollte sich aus den Wäldern zurückziehen und den Ölsand dort lassen, wo er hunderttausende von Jahren war. Im Boden, geschützt unter Wald, der ungezählten Tieren Lebensraum bietet. Vielleicht schlägt die Natur ja jetzt zurück, weil sie ihre Zerstörung nicht länger ertragen konnte. Die Ureinwohner dort wissen schon lange, wie man mit dem Land umgeht. Die Weißen sollten lieber zurück in ihre Großstädte gehen und die Finger von der Wildnis lassen…

Wer sich für das Schicksal der Vertrieben interessiert, der lese den Frontbericht des FR-Korrespondenten Jörg Michel, Kanada.

http://tinyurl.com/j7fft53

Das Desaster von Alberta

Fort McMurray Wildfire

Das sind keine Wolken, sondern es ist tatsächlich Rauch. Die Feuer in Fort McMurray sind völlig außer Kontrolle geraten und die Feuerwehr ist überfordert. Wie sollte es auch anders sein bei einer Fläche von inzwischen 100.000 Hektar, die in Flammen steht. Die Bevölkerung wurde unter teilweise chaotischen Bedingungen in Sicherheit gebracht. Im April gab es in der Provinz Hitze mit bis zu 30°C nach einem zu trockenen Winter…

Fort McMurray wildfires 10425

Die Bedingungen für die Piloten sind extrem gefährlich.

Inzwischen hat sich die betroffene Fläche verzehnfacht. Die Behörden sind verzweifelt, denn es ist kein Regen in Sicht und Wind bzw. Trockenheit lassen das Feuer mit einer Geschwindigkeit von 6 km/h ständig nach allen Seiten wachsen. Es sind 150 Hubschrauber und über 20 Löschflugzeuge, auch aus den USA, vor Ort. Aber die Helfer haben bei diesen Bedingungen keine Chance gegen das Feuer, man betet schon für Regen. Aber die Natur wurde zu lange geschunden, jetzt wehrt sie sich. Fort McMurray war eine der wichtigsten Städte in Canada mit dem fatalen Ölsandabbau …

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Ist das die Apokalypse?                                         (alle fotos – Chris Schwarz)

The 88,000

Bericht eines Feuerwehrmannes aus der Hölle der Feuer.

Tschernobyl – dreißig Jahre danach

Während der neue Sarkophag im ukrainischen Tschernobyl immer noch nicht fertig ist, hoffen die Behörden, dass die gefährliche Strahlung aus dem geschmolzenen Reaktorkern im 31.Jahr nach der Katastrophe dann besser versiegelt sein wird. Die immensen Kosten für diese Operation hat übrigens das Ausland übernommen, zum großen Teil die EU aber auch die USA. Ich erinnere mich noch genau an die Geschehnisse im Jahr 1986 und wie wir erst mit Verzögerung von der Verstrahlung erfuhren, nachdem in Skandinavien, nach Tagen der Untätigkeit in der Sowjetunion, plötzlich exorbitant erhöhte Werte festgestellt wurden. In Deutschland ist bis heute am stärksten Südost-Bayern von der Seuche betroffen. Cäsium 137 findet sich nach wie vor in hoher Akkumulation in Pilzen und im Wild. Der Hot Spot liegt irgendwo zwischen der Oberpfalz und dem  Bayrischen Wald, wo man wirklich weder selbst gesammelte Pilze noch lecker Wildschwein „genießen“ sollte. Aber auch andere Gebiete in Süddeutschland sind immer noch stark betroffen, dies kann lokal sehr unterschiedlich sein.

In Tschernobyl begann eine neue Zeitrechnung.

Was haben sie uns damals gesagt, als wir in Brokdorf demonstrierten und man uns Protestler wie Kriminelle behandelte: in 1000 Jahren gibt es vielleicht mal einen Atomunfall, wenn überhaupt. Atomkraft sei ja sooo sicher und sooo billig – jetzt hatten wir schon drei Havarien in nicht mal 40 Jahren (Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima – der Unfall am Ural in den 50er Jahren noch nicht mitgerechnet).  Und der deutsche Steuerzahler darf jetzt auch noch die Abwicklung der alten, längst abgeschriebenen Kraftwerke bezahlen, mit denen sich die Stromkonzerne schon dumm und dusselig verdient haben (plus Anschubfinanzierung des Bundes in den 60er Jahren, inklusive staatlich bezahlter Probereaktoren, z.B. in Kahl vor den Toren Frankfurts).  Ihr werdet sehen, das wird so kommen! Während die Stromkonzerne sogar die Frechheit besitzen, beim Bund auf Entschädigungen zu klagen und kleines, dickes Gabriel dem nichts aber auch gar nichts entgegenzusetzen hat. Auch in Hessen wird so eine Klage bereits vorbereitet, vom Betreiber des Kraftwerks in Biblis gegen die Staatsregierung. Dabei ist das Problem der Lagerung der auf Jahrtausende strahlenden Abfälle natürlich immer noch nicht geklärt,  in keinem Land der Erde. Aber was kümmern uns schon die kommenden Generationen, wir leben doch jetzt – und nach uns die Sintflut…

Climate Change

Sydney 2016 Apr 23 15:18

23.4. – Ortszeit Spätnachmittag (bei uns morgens) – die City von Sidney verschwindet unter einer gigantischen Gewitterzelle, die vom Meer herein treibt. Dabei kann es im Zentrum zu orkanartigen Böen und sehr starken Regenfällen mit Hagel kommen. Letztes Jahr führte so ein Gewittersturm im Großraum Sydney zu schweren Überschwemmungen und starken Verwüstungen, insbesondere am Hafen.

Über Sidney brauen sich wieder schwere Unwetter zusammen, in Südaustralien ist jetzt Herbst. Derweil kommt es weiter im Norden vor Queensland zu einer Katastrophe ganz anderer Art. Dank El Nino ist der Pazifik so warm wie nie und es hat vor der Küste am Great Barriere Reef ein Korallensterben nicht gekannten Ausmaßes eingesetzt. Die sogenannte Korallenbleiche ist so schlimm wie noch nie. Dazu kommt es, wenn das Wasser längere Zeit über der für die Tiere bekömmlichen Temperatur liegt. Es wäre reversibel, wenn es schnell wieder abkühlen würde. Damit ist aber nicht zu rechnen. Die Wissenschaftler in Australien befürchten das Schlimmste – die Auswirkungen für Flora und Fauna im Meer sind noch gar nicht abzusehen. Der Klimawandel ist einfach nicht mehr zu leugnen.

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Riffzone bei Cairns vor dem großen Sterben. Ohne die Korallen werden die Riffe in wenigen Jahren zerfallen. Küstenschutz, Tourismus und Biologie der Unterwasserwelt wären gleichermaßen betroffen von diesem Drama.

(fotos – oben: Climate Change Research Centre, unten: Paleontours)

Alarmierender Rückgang bei sämtlichen Insektenarten !

In Deutschland gibt es ca. 30.000 Insektenarten – noch. Denn viele davon sind nicht einmal bekannt oder zumindest nur wenigen Spezialisten, und schon sehen wir uns mit der Tatsache konfrontiert, dass diese äußerst seltenen und auf bestimmte Lebensräume angewiesenen Spezies uns eine nach der anderen klammheimlich verlassen. Insekten haben leider keine Lobby, viele Menschen ekeln sich vor ihnen, halten sie für schädlich, oder zumindest für unnütz. Das ganze Gegenteil ist der Fall: mit den Insekten steht und fällt das Leben auf unserem Planeten.

Nicht nur, dass die Krabbler wichtige Grundlage in der komplexen Nahrungskette sind! Ohne die Bestäubung durch Insekten würde das pflanzliche und damit schnell auch das tierische Leben völlig zum erliegen kommen! Nicht nur Bienen erbringen diese Leistung – was viele nicht wissen, auch Käfer, Fliegen oder Wespen sind hier unverzichtbar, vor allem bei vielen Wildpflanzen. Etliche dieser Arten haben sogar exklusive Bestäuber, ohne die es gar nicht geht. Einfache Bestäubung durch den Wind reicht da schon  lange nicht mehr. Was wäre, wenn die Fliegenlarven kein Aas mehr beseitigen würden, oder Mistkäfer im Wald den Dung nicht aufbereiten. Alles unverzichtbare Dienste, die Insekten der Natur und uns Menschen erweisen.

Wespe

Feldwespe                                                                                  (foto – Matthias)

Nun haben Wissenschaftler in NRW erschreckendes zu Tage gefördert. Seit über 25 Jahren wird dort an verschiedenen Orten im Lande ein intensives Monitoring der Arten, sowohl in Quantität als auch Diversifizierung durchgeführt. Es ist dies die bisher gründlichste und längste Untersuchung in der BRD. Ergebnis: seit 1989 gibt es bei bestimmten, wichtigen Arten einen Schwund von bis zu 80% in der Masse, zudem verschwinden einige Insektengruppen ganz, da es die ihnen genehmen Lebensräume einfach nicht mehr gibt. Überdüngung, Monokulturen, Flächenverbrauch mit immer stärker ausgeprägter Fragmentierung der Landschaft, Landnutzungswandel mit ausgeräumten Feldfluren, übermässiger Pestizideinsatz etc.pp.

Es ist ein Elend, welches ich in meiner kleinen Welt im Garten, in Feld oder Wald nur bestätigen kann. Man sieht definitiv weniger Insekten und viele Arten fehlen inzwischen ganz. Ich mache das besonders an den Schmetterlingen fest. Sowohl in Quantität, wie in Qualität hat ihr Bestand sehr stark abgenommen. Das gleiche gilt übrigens für diverse Vogelarten. Wo gibt es heute noch Kiebitz, Rebhuhn, Wachtel, oder gar Arten, wie Schnepfen, Bekassinen oder Rallen.  Alles Tiere, die es in meiner Kindheit und Jugend noch zu hauf an fast jeder Ecke zu beobachten gab. Ähnlich sieht es bei den Lurchen aus. Wo sind Frösche, Kröten, Molche, Unken und Salamander geblieben? In kleinen, sehr versprengten Verbreitungs-Gebieten, die den Genpool der einzelnen Arten immer weiter ausdünnen, bis es irgendwann vorbei ist mit ihnen…

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Mistkäfer                                                                            (foto – Schermannski)

Wie muss es erst bestellt sein, um winzige Kerfe, Schlupfwespen oder Fliegen, die wir teilweise noch nicht kennen, die aber verschwinden, bevor sie beschrieben wurden. Die Welt um uns herum wird immer ärmer. Jedes dieser Tiere hat irgendeine festgelegte Funktion in der komplizierten Wirk-Kette der Natur, sei es als Futtertier oder Bestäuber. Auch von der Bienenfront kommen weitere beunruhigende Meldungen: die Tierchen sind dem Stress in der heutigen Zeit einfach nicht mehr gewachsen. Pestizide, immer weitere Flugstrecken zu entfernten Futterplätzen, zerschnittene Brutgebiete, Milben und andere menschengemachte Faktoren bringen sie langsam um. Und wie wir wissen, ohne Bienen geht es nun wirklich nicht (das gleiche trifft für Wespen und Hummeln zu).

Merkwürdig ist, dass die Politik offensichtlich den Ernst der Lage bisher noch nicht mal im Ansatz begriffen hat – ich mache mir große Sorgen!

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Schmeißfliege                                                                   (foto – Andreas März)

Fukushima und das Atomdorf

GLOBAL 2000 Fukushima Visit temporary storage site of radioactive material post decontamination

Fünf  Jahre ist es nun her, dass der erste Reaktorblock in Fukushima Daiichi explodierte, nachdem die Kühlung der Brennstäbe mangels Strom nach der Überflutung des Kraftwerks durch den Tsunami nicht mehr erfolgte. Eine Kette von Verfehlungen führte zu diesen Ereignissen und der weiteren Schmelze in zwei anderen Blöcken, sowie einer noch schwerwiegenderen Explosion zwei Tage später, bei der sehr viel Radioaktivität austrat. Verantwortlich dafür ist ein Konglomerat aus Politik und Atomindustrie unter Federführung der Firma TEPCO, die im Volksmund auch das „Atomdorf“ genannt werden. Der Zirkel dieser Unternehmen und Politiker verfügt über sehr viel Macht in Japan. Manche Insider sagen, es sei ein Staat im Staat, im Grunde sei TEPCO mächtiger als die Regierung und der Ministerpräsident nur eine Marionette. Ein mutiger Mann wagte gegen dieses Machtkartell anzugehen. Es war Ministerpräsident Kane, der aber sehr schnell merken sollte, mit wem er sich da angelegt hatte. Eine Intrige wurde gesponnen und nach acht Monaten war der Rücktritt Kanes besiegelt – wie man heute weiß, unter fadenscheinigen Gründen.

Kane ist inzwischen rehabilitiert und kämpft zusammen mit Bürgern, Künstlern und anderen Atomkraftgegnern gegen die Regierung Abe, die wieder voll auf den Atomkurs eingestiegen ist. Inzwischen sind einige Kraftwerke nach dem Moratorium wieder am Netz und es wird sogar über den Bau von neuen Kernkraftwerken geredet. Dabei ist in Fukushima nichts gelöst. Die Katastrophe schwelt quasi 150 km vor den Toren Tokios weiter vor sich hin. Was in dem zusammengeschmolzenen Reaktorkernen wirklich vorgeht und an welcher Stelle im Gebäude bzw. im Untergrund sie sich befinden ist völlig unklar. Auch die Brennstäbe aus den Abklingbecken sind nach wie vor nicht oder nur teilweise geborgen. Dafür hat sich auf dem höchsten Punkt des Geländes hinter dem Kraftwerk ein Tanklager mit kontaminiertem Wasser in völlig unzureichenden, lecken Tanks breit gemacht – wie dafür geschaffen, um beim nächsten Erdbeben zusammenzubrechen und die Wasermassen sich in den Pazifik
ergießen zu lassen.

Aber es fließt ohnehin ständig radioaktives Wasser ins Meer, denn die zuerst angedachte Grundwasersperre wurde nicht gebaut. TEPCO muß sparen – sie denken mehr an ihre Aktionäre, denn an die Betroffenen in der Region. Zuletzt waren es Mitte Februar rund 100 Tonnen Wasser täglich, bei denen eine Radioaktivität von 230 Millionen Becquerel gemessen wurde (als gesundheitlich unbedenklich gelten 100 Becquerel). Zudem sind weite Landstriche in der Region – auch über die Sperrzone hinaus – radioaktiv verseucht. Das betrifft auch die Großstadt Fukushima, 60km vom Kraftwerk entfernt und den Fluß, der das bergige Hinterland entwässert und dann seine radioaktive Fracht ebenfalls in den Pazifik schafft.

Fisch kann man in der Region schon lange nicht mehr essen. Und das in einem Land, welches traditionell große Teile seiner Nahrung, nicht nur Fisch, sondern auch Schalentiere oder Tang, aus dem Meer holte. Aber auch die Landwirtschaft liegt am Boden. Die Bauern können weder ihren Reis, noch Gemüse oder Milch und Rindfleisch vermarkten. Zudem leben große Teile der evakuierten Bevölkerung weiter in Notunterkünften. Die Jugend hat die Region längst verlassen, zurück bleiben die Alten.

Dies alles interessiert TEPCO und die sie protegierenden Politiker im nahen Tokio herzlich wenig. Nur durch Glück entging die Hauptstadt der großen Katastrophe, weil der Wind 2011 meist aufs Meer hinaus wehte. Aber bei einem erneuten Beben könnten sowohl die maroden Reaktoren, als auch die wackeligen und nur notdürftig gekühlten Abklingbecken wieder zum Problem für ganz Japan werden. Die ganz große Katastrophe ist immer noch möglich. Aber das versucht man in der TEPCO Zentrale mit Hilfe der Abe Regierung unter den Teppich zu kehren.

Legte man in der Region um Fuku­shima die gleichen Maßstäbe an, wie sie 1986 nach dem schweren Atomunfall im ukrainischen Tschernobyl angewandt wurden, müßten 1,6 Millionen Menschen, darunter 360 000 Kinder, evakuiert werden. In der damaligen Sowjetunion wären diese Gebiete mit einer so hohen Strahlenbelastung, wie sie in Fukushima herrscht, für unbewohnbar erklärt worden. Das ist die Wahrheit, die man den Menschen in Japan verschweigt.

Der Preis für das Zaudern und Vertuschen wird groß sein. Schon jetzt steigen die Krebsraten insbesondere bei Kindern in der Gegend dramatisch an. Dazu kommen andere Begleiterkrankungen. Die Tierwelt ist ebenso betroffen. In Tschernobyl kann man heute studieren, wie eine verstrahlte Region nach 30 Jahren aussieht und wie hoch alle darin lebenden Organismen, ob Tier oder Pflanze nach wie vor radioaktiv belastet sind.  Es hat sich nicht viel geändert für die Menschen in den verstrahlten Gebieten. Die Aufräumarbeiten im und am Kraftwerk von Fukushima Daiichi sind kaum vorangekommen. Zudem werden dort unter unsäglichen Bedingungen Billigarbeiter „verheizt“, ohne sie auf die Gefahren hinzuweisen. Es ist ein Trauerspiel.

Water Storage Tanks (02813604)

Foto oben: Deponie mit verstrahlter Erde. Unten sieht man die Tanks mit kontaminiertem Wasser,  die am Kraftwerk aufgebaut wurden.

(fotos – GLOBAL 2000 – IAEA Image Bank)

https://wortundstern.wordpress.com/2015/09/14/das-andere-japan/