Dschang Jung

T R E N N U N G

Weißes Gewölk steigt über den Bergen gelöst,
Scharfer Wind kommt unter den Kiefern zur Ruh.

Lockt dich, zu wissen um der verlassenen Weh:
Schau von leerer Terrasse den blinkenden Mond!

Ban Djiä-Jü

 

Dort droben steht ein hohes Haus,
das ragt zu den schwebenden Wolken auf.
Ich wollt, wir wären zwei Vögel
Und flögen hinauf zu den ewigen Höhn.

Juan Dji

 

Ein leichter Wind haucht
über meines Ärmels Seide.
Des hellen Mondlichts
Schimmer übergießt die Welt.

Wu Zao

 

Die Schwalbe ist noch nicht gegangen,
Fliegt in Tiefen des bestickten Vorhangs
Und spricht viele Stunden lang sanft.
Sie wird doch nicht bei mir wohnen wollen?
Ich warte.
Warte.
Mit einem Lächeln sage ich ihr
Das geht nicht.

Saigyô Hôshi

 

Auf dem höchsten Berg!
Wer stünde dort und sähe
den Mond nicht leuchten?
Es hinge ihm denn die Wolke
vor dem eigenen Herzen…

Fu Hsüan

IM GEWITTER

 

Der Donner rollte
Und es erbebte ihr Herz.
Sie neigte ihr Ohr
Und lauschte hinaus –
Doch es war nicht
Das Rollen des Wagens.

Friedrich Hölderlin

 

Ich würde Jahrtausende lang die Sterne durchwandern, in alle Formen mich kleiden, in alle Sprachen des Lebens, um dir Einmal wieder zu begegnen. Aber ich denke, was sich gleich ist, findet sich bald.

Ni Renji

S T I C K E R E I

Ich hörte, in einer Nadel sei eine Seele
Die auch die Nadelspur nicht kaschieren könne
Sie liege nicht in den Fingern und nicht in den Seidenfäden
Sie liege in der anmutigen Bewegung, mit der ein Gemälde entsteht

William Blake

 

Die Welt sehn in einem Körnchen Sand,
den Himmel in einem Blütenrund,
die Unendlichkeit halten in der Hand,
die Ewigkeit in einer Stund.