Johann Gottfried von Herder

 

Auf dem vergifteten Baume der Welt voll bitterer Früchte

blühn zwei Blüten, vom Tau himmlischer Güte betaut:

Dichtung die eine, sie labet den Geist mit Wasser des Lebens.

Freundschaft die andre, sie stärkt, heilt und erquicket das Herz

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J.W.v. Goethe

 

Alles ist aus dem Wasser entsprungen!!
Alles wird durch Wasser erhalten!
Ozean, gönn uns dein ewiges Walten.
Wenn du nicht in Wolken sendetest,
Nicht reiche Bäche spendetest,
Hin und her nicht Flüsse wendetest,
Die Ströme nicht vollendetest,
Was wären Gebirge, was Ebnen und Welt?
Du bist’s, der das frischeste Leben erhält.

Wang We

 

Nicht zu ermessen sind
Die Wasser bis an ihr Ende.
Wer weiß, was in des blauen
Meeres Ferne ich fände?

Bist Du in dieser fremden
Welt erst und von hier fort,
Wie fände den Weg hierher
Noch einmal von der dir ein Wort

Fu Hsûan

 

Der Donner rollte,
Und es erbebte ihr Herz.
Sie neigte ihr Ohr
Und lauschte hinaus.
Doch es war nur
Das Rollen des Wagens.

Anette v. Droste-Hülshoff

DAS SCHILF

Stille, er schläft, stille! stille!
Libelle, reg die Schwingen sacht,
Daß nicht das Goldgewebe schrille,
Und, Ufergrün, halt gute Wacht,
Kein Kieselchen laß niederfallen.
Er schläft auf seinem Wolkenflaum,
Und über ihn läßt säuselnd wallen
Das Laubgewölb‘ der alte Baum;
Hoch oben, wo die Sonne glüht,
Wieget der Vogel seine Flügel,
Und wie ein schlüpfend Fischlein zieht
Sein Schatten durch des Teiches Spiegel.
Stille, stille! er hat sich geregt,
Ein fallend Reis hat ihn bewegt,
Das grad zum Nest der Hänfling trug;
Su, Su! breit, Ast, dein grünes Tuch –
Su, Su! nun schläft er fest genug.

Hugo von Hoffmannsthal

WO DIE KLEINEN FELSEN

Wo kleine Felsen, kleine Fichten
Gegen freien Himmel stehen,
Könnt ihr kommen, könnt ihr sehen,
Wie wir, trunken von Gedichten,
Kindlich schmale Pfade wandern.
Sind nicht wir vor allen andern
Doch die unberührten Kinder?
Sind es nicht die Knaben minder
Und die Mädchen, jene andern?
Sind sie wahr in ihren Spielen,
Jene andern, jene vielen?

Li Schang-Yin

DIE MONDFEE

Auf den perlmuttenen Blenden
dunkeln die Schatten flackernden Lichts.
Sterne des Morgens enden,
langsam versinkend im Nichts.

Rennen mag des Mondes Fee,
dass sie raubte den göttlichen Trank:
Schwarz-blauer Himmel, smaragdne See,
einsam schweigend, die Nächte lang.

Arthur Rimbaud

S E N S A T I O N

Par les soirs bleus d’été, j’irai dans les sentiers,
Picoté par les blés, fouler l’herbe menue:
Rêveur, j’en sentirai la fraîcheur à mes pieds.
Je laisserai le vent baigner ma tête nue.

Je ne parlerai pas, je ne penserai rien:
Mais l’amour infini me montera dans l’âme,
Et j’irai loin, bien loin, comme un bohémien,
Par la Nature, – heureux comme avec un

Dschang Jung

T R E N N U N G

Weißes Gewölk steigt über den Bergen gelöst,
Scharfer Wind kommt unter den Kiefern zur Ruh.

Lockt dich, zu wissen um der verlassenen Weh:
Schau von leerer Terrasse den blinkenden Mond!