Bo Lo-Tian

G R Ä S E R

Lieblich leuchten und weit über ebenen Flächen die Gräser,
welken in einem Jahr und erstehen aufs neu….
Sengende Feuer im Herbst vermögen sie nicht zu zerstören:
Kommt erst der Frühlingswind, bläst er zum Leben sie an.

Shu Jun

 

Die fernen Sterne funkeln, meine Sehnsucht brennt.
Meine Träume winden sich über Berge und Pässe.
Meine verwirrte Seele fliegt durch Regen und Wind.
Was ist es, das die Heimkehr des Freundes verhindert ?

Eule

Female Barn Owl 1

Komm, traurige Eule, Bote des Leids,
Vogel der Melancholie, Gefährte der Verzweiflung,
Bester Freund der Sorge und Feind der Heiterkeit,
Dein Beitrag nährt den Kummer.
O komm, arme Eule, und klag mir Dein Leid.
Hab ich’s vernommen, so klag ich Dir meins

ROBERT JOHNSON

Shan Quiao

 

Blumenantlitz, Jadegesicht, ich sehe ihr so gütiges Herz im
verborgenen Hain, kostbares Floß, den Himmel durchquerend,
es gibt eine Furt im südlichen Meer – wer fährt mich hinüber ?
Während ich stickte, entstand ein Kind, dass die Göttin anbetet.

 

 

Nichts

Lyrik

Heute morgen
war’s kein Lächeln
Regen regnet, nichts als Regen
wie viel muss mein schwacher Wald
denn noch in Asche legen

Reicht dir
nicht der Sommer
dann auch nicht der Sand
der mit meinem Feuer
schneller noch nur
stillschweigend
verschwand

Nur der Mund
vollbringt kein Heil
in den schwarzen Nächten, weil
doch der Seelenzucker klammt
tropfend bitterkaltes Blut
zum blassen Nichts
verdammt

© Amy Herzog

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Joseph von Eichendorff

M O N D N A C H T

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschen leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte,
Weit die Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Li Schang-Yin

DIE MONDFEE

Auf den perlmuttenen Blenden
dunkeln die Schatten flackernden Lichts.
Sterne des Morgens enden,
langsam versinkend im Nichts.

Reuen mag des Mondes Fee,
dass sie raubte den göttlichen Trank:
Schwarz-blauer Himmel, smaragdene See,
einsam schweigend sind die Nächte lang…

Lu Yu

DIE MÜCKEN

Die Mücken, zarteste Wesen,
Kennen die Zeit,
Weissagen den Frühlingswind,
der den Regen zerreißt.