Norwegische Tauben

Two at Each End

An einem regnerischen Morgen in der schönen Stadt Bergen. Die „Stadttaube“ stammt ursprünglich von der Felsentaube ab, die in grauer Vorzeit die menschlichen „Felsenlandschaften“ für sich eroberte, ähnlich wie auch unsere Mauersegler.

(foto – Anne Worner)

Die Hohe Strasse

Da ich passionierte Radlerin bin, interessiere ich mich immer für durchgehende Radwege abseits von Straßen in schöner Natur, wo dann mein Interesse für Vögel, Insekten und Pflanzen befriedigt werden kann. Die Hohe Strasse vereint alle diese Vorzüge praktisch perfekt. Von Bergen aus kann man im Grunde nach wenigen Metern mit der Tour beginnen. Der Berger Hang ist ein Relikt des Urstromtals des Mains und sozusagen der westliche Startpunkt der Hohen Strasse Richtung Osten in die südlichste Wetterau bzw. das Ronneburg-Büdinger Hügelland. Man kommt schnell auf Maintaler Gemarkung und fährt quer durch die Felder Richtung Lohe, einem bewaldetem Höhenrücken zwischen Bischofsheim und Niederdorfelden, wo auch ein Fernmeldeturm steht.

Angenehm an der Radtour ist, dass es kaum große Steigungen gibt, da man sich immer auf dem eiszeitlichen Höhenrücken weiterbewegt mit grandioser Aussicht entweder hinunter ins Maintal mit Blick auf Offenbach, Maintal, Hanau im Hintergrund Odenwald und Spessart oder nach Norden in die Täler der Wetterau mit Blick auf den Taunusrücken. Voraus kann man später die Höhenzüge des Vogelsbergs sehen, wenn es klar genug ist. Entlang der Strecke gibt es lustige Haltepunkte, die zu Pausen einladen – diese Punkte sind auch oft “möbliert” mit allerlei witzigen Objekten.

Von der Lohe geht es weiter auf Schönecker Gemarkung mit dem Hühner-, Galgen- und Gelben Berg, wo sich seit einigen Jahren ein Windpark befindet. Blick nach unten auf Kilianstädten – von hier aus kann man in der Ferne auch schon die Ronneburg erblicken, bis dahin sind es allerdings noch einige Kilometerchen. Zuerst kommt man aber mit dem “Wartbaum” auf Nidderauer Gemarkung – eine uralte Eiche, sehr alter Gerichtsort und heute Austragungsort eines Mittsommerfeuers Ende Juni. Im Tal liegt Windecken, auch dies ein geschichtsträchtiger Ort mit alten Marktrechten und einer kleinen Wasserburg an der Nidder. Es geht weiter über Ostheim nach Butterstadt (ein echtes Bauernkaff) und von dort auf Hammersbacher Gemarkung.

Ab hier bieten sich vorbei an Marköbel alternative Routen Richtung Gründau/Gelnhausen über Hüttengesäß oder durch den Wald nach Ronneburg/Büdingen. Die Tour durch den großen Wald mit den einzigen nennenswerten Steigungen der Strecke zur Ronneburg ist schöner – man wird dort belohnt mit einem rustikalen Restaurant oder einem Café und der grandiosen Aussicht vom Bergfried zurück auf die Skyline von Frankfurt, deren Türme über die hügelige Landschaft hinausragen.

Die gesamte Route findet zum größten Teil auf asphaltierten Wegen statt, im Wald auch auf Schotter. Straßen sind nur zu überqueren, kein einziger Meter muss auf einer Straße mit Autoverkehr absolviert werden. Wer noch nicht müde ist, könnte über den Herrenhaag auch weiter nach Büdingen fahren, eine wunderbare mittelalterliche Stadt mit geschlossener Stadtmauer und altem Schloss, gelegen am Rande des Vogelsbergs. Dafür sollte man aber wirklich gute Kondition mitbringen, oder aber man besteigt dort das Bähnchen Richtung Gelnhausen und von da zurück mit dem Doppelstöcker-Zug nach Frankfurt. Die Hohe Strasse war früher wichtige Handelsroute Richtung Leipzig und auch ein Teil des Bonifatius-Pilgerwegs Richtung Fulda in Osthessen.

http://www.burg-ronneburg.de/

http://www.buedingen.info/sehenswertes/historisches-buedingen.html

Streckenpläne findet ihr im Internet – orientiert euch an meinen Ortsangaben.

http://www.hessenmagazin.de/tipps-fuer-die-freizeit/natur-outdoorspass/173-panorama-radweg-hohe-strasse

 

Tschernobyl – dreißig Jahre danach

Während der neue Sarkophag im ukrainischen Tschernobyl immer noch nicht fertig ist, hoffen die Behörden, dass die gefährliche Strahlung aus dem geschmolzenen Reaktorkern im 31.Jahr nach der Katastrophe dann besser versiegelt sein wird. Die immensen Kosten für diese Operation hat übrigens das Ausland übernommen, zum großen Teil die EU aber auch die USA. Ich erinnere mich noch genau an die Geschehnisse im Jahr 1986 und wie wir erst mit Verzögerung von der Verstrahlung erfuhren, nachdem in Skandinavien, nach Tagen der Untätigkeit in der Sowjetunion, plötzlich exorbitant erhöhte Werte festgestellt wurden. In Deutschland ist bis heute am stärksten Südost-Bayern von der Seuche betroffen. Cäsium 137 findet sich nach wie vor in hoher Akkumulation in Pilzen und im Wild. Der Hot Spot liegt irgendwo zwischen der Oberpfalz und dem  Bayrischen Wald, wo man wirklich weder selbst gesammelte Pilze noch lecker Wildschwein „genießen“ sollte. Aber auch andere Gebiete in Süddeutschland sind immer noch stark betroffen, dies kann lokal sehr unterschiedlich sein.

In Tschernobyl begann eine neue Zeitrechnung.

Was haben sie uns damals gesagt, als wir in Brokdorf demonstrierten und man uns Protestler wie Kriminelle behandelte: in 1000 Jahren gibt es vielleicht mal einen Atomunfall, wenn überhaupt. Atomkraft sei ja sooo sicher und sooo billig – jetzt hatten wir schon drei Havarien in nicht mal 40 Jahren (Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima – der Unfall am Ural in den 50er Jahren noch nicht mitgerechnet).  Und der deutsche Steuerzahler darf jetzt auch noch die Abwicklung der alten, längst abgeschriebenen Kraftwerke bezahlen, mit denen sich die Stromkonzerne schon dumm und dusselig verdient haben (plus Anschubfinanzierung des Bundes in den 60er Jahren, inklusive staatlich bezahlter Probereaktoren, z.B. in Kahl vor den Toren Frankfurts).  Ihr werdet sehen, das wird so kommen! Während die Stromkonzerne sogar die Frechheit besitzen, beim Bund auf Entschädigungen zu klagen und kleines, dickes Gabriel dem nichts aber auch gar nichts entgegenzusetzen hat. Auch in Hessen wird so eine Klage bereits vorbereitet, vom Betreiber des Kraftwerks in Biblis gegen die Staatsregierung. Dabei ist das Problem der Lagerung der auf Jahrtausende strahlenden Abfälle natürlich immer noch nicht geklärt,  in keinem Land der Erde. Aber was kümmern uns schon die kommenden Generationen, wir leben doch jetzt – und nach uns die Sintflut…

Das Grauen

Ich hoffe wirklich, dass jetzt in Jerusalem nicht wieder die gleichen Fehler gemacht werden wie so oft vorher und dass sich jetzt nicht wieder diese fatale Spirale aus Gewalt und Gegengewalt in Bewegung setzt ? ! ? !  Aber ich befürchte beinahe den Worst Case…

So schlimm ich den Anschlag auf den Bus finde, so große Sorgen macht mir die Ankündigung Netanjahus, jetzt hart durchgreifen zu wollen. Werden jetzt wieder Häuser von Müttern vermeintlicher oder wirklicher Attentäter in die Luft gesprengt? Oder wird man gleich Bomben auf Gaza werfen? Werden wildgewordene Siedler jetzt das Recht in die eigene Hand nehmen und, wie so oft vorher, Jagd auf vermeintliche oder wirkliche Attentäter machen oder wird man vielleicht irgendwelche armen Teufel foltern, bis sie zugeben, was man hören will…das ist alles so widerlich! Das Eine, wie das Andere. Die Attentate genauso, wie die „Reaktionen“ darauf. Wird das denn nie aufhören? Und warum setzen sich immer die Hardliner durch auf beiden Seiten, die ja stets die Konfrontation suchen? Man könnte in die Luft gehen – das ist ein Teufelskreis erster Güte!

Unser Außenpolitik-Clown Steineule hat sich natürlich nicht entblödet, eilfertig diesen „feigen“ Anschlag zu verurteilen – wie sollte man ihn auch nicht verurteilen? Es läuft   immer nach dem selben, eingeübten politischen Ritual ab. Nur habe ich den Mann leider nie gehört, als im letzten Gaza Krieg von den 2000 toten Palästinensern, allein über 500 Kinder waren. Wer war da „feige“ ?  Von den 63 toten Israelis war ein einziger (!) Opfer einer palästinensischen „Rakete“, über 50 waren Soldaten, und davon mehr als 40 Wehrpflichtige, die man bei der „Bodenoffensive“ verheizt hatte. DAS ist die Sprache der Generäle, die in Jerusalem das Sagen haben. Warum haben nicht all´die vernünftigen Israelis aus Haifa oder Tel Aviv das Sagen, die den Krieg ebenso verabscheuen, wie die Masse der Araber?

Auch dort hält eine relativ kleine Klicke von machthungrigen  MÄNNERN das Heft in der Hand und schickt Töchter und Söhne in eine hoffnungslose Schlacht, gegen einen so grauenhaft überlegenen Gegner. FRAGE: wer liefert beiden Seiten die Waffen für ihr schändliches Tun? SCHWEIGEN…  Warum haben die Eltern der 250 toten Wehrpflichtigen aus dem letzten „Libanonkrieg“ bis heute keine Antwort auf ihre Frage nach dem WARUM aus Jerusalem? Weil die Generäle selbst nicht wissen, was sie da damals verzapft haben bei dieser „Kommandoaktion“ und was es gebracht haben soll – so sieht das aus! Auch erfährt man hier in den Medien leider nie, dass es ständig Demonstrationen gegen die Gewalt und den Krieg gibt – und zwar auf beiden Seiten, sowohl in Israel als auch in Palästina? Und sogar gemeinsam, wie ich von Freunden aus Jerusalem weiß. Das würde hier aber längst nicht so gut ins Bild passen…

Wir Deutschen haben eine SCHULD und so sind wir bis in alle Ewigkeit dazu verdammt, alles klasse zu finden, was ein israelischer Staat fabriziert. Egal ob das noch demokratisch zugeht, ob gegen das Völkerrecht verstoßen wird oder dort schlicht eine Minderheit eine Mehrheit dominiert mit immer neuen, aberwitzigen Koalitionen des Schreckens. Auch dies gilt wohl für beide Seiten!  Unter Obama gab es zum ersten mal einen kleinen Riss in der scheinbar unauflöslichen  Waffenbrüderschaft zwischen den USA und Israel – aber das wird auch bald vorbei sein. Die alte gegenseitige Vasallen Treue habe ich dagegen noch nie verstanden. Die Araber haben in Europa sowieso keine Lobby, es sei denn, sie sitzen auf Bergen von Öl: da macht man dann gerne mit den größten Verbrechern Geschäfte. Der Rest: Terroristen – so einfach geht das! Es ist hoffnungslos… Ich fühle mit den Menschen auf beiden Seiten der Mauer dort, die einfachen Menschen, die darunter zu leiden haben, was ihre politischen und militärischen „Führer“ jetzt wieder beschließen werden. Und dann geht alles von vorne los. Und  wieder werden Mütter ihre Söhne und Töchter beweinen, und es wird noch mehr Hass und Gewalt geben, bis in alle Ewigkeit – es ist zum Verzweifeln!

Diesen Text widme ich „Bandora“ aus Jerusalem – ich weiß, dass es auch andere Menschen gibt bei euch! Nur leider habt ihr nicht die Macht…

B A R C E L O N A

Als ich die Stadt das erste Mal sah, war Franco gerade gestorben und Barcelona machte auf uns den Eindruck einer eingestaubten Schönen, die aus einem langen Alptraum erst langsam erwachte. Am meisten haben mich 1976 die zehntausenden katalanischen Fahnen an den Häusern beeindruckt – endlich war es wieder erlaubt sie zu hissen, und an jedem Balkon hing das gelbrot gestreifte Symbol Kataloniens. Inzwischen hat die Millionenstadt am Rande der Pyrenäen-Ausläufer der Costa Brava eine ungeheure Metamorphose durchgemacht. Die größte Zäsur war natürlich die Olympiade 1992 – da wurde die halbe Stadt, die Häfen und die gesamte Promenade völlig umgekrempelt und teils neu gebaut. Seitdem hat Barcelona das Mittelmeer wieder entdeckt. Denn früher gab es bis auf den alten Hafen und einen kleinen, verdreckten Stadtstrand kaum einen Zugang zum Wasser. Man fuhr zum baden nach Tarragona oder Girona, bzw. den dazwischen  liegenden kleinen Fischerdörfern.

View

Hier sieht man die neue Marina von der Seilbahnstation aus. Ab hier geht es hinauf zum Vergnügungspark oder zum neuen Miró-Museum, dessen Besuch schon allein wegen der genialen Architektur lohnt, selbst für „Nicht-Fans“ seiner Kunst. Der Blick geht nach Nordosten Richtung Frankreich. Da wo das Hochhaus steht ist der alte Hafen.

Port of BCN

Blick von der Hafeneinfahrt über den alten Hafen Richtung Innenstadt, dahinter im Norden die Hügel (angeblich sind es Sieben, auf denen die Stadt sich ausbreitet – aber es sind mehr, denn Barcelona wächst ständig). Leider sind die Touristen inzwischen zum ernsten Problem für die Bevölkerung geworden. Insbesondere die Kreuzfahrtschiffe spülen zu viele von ihnen in die Stadt. Seit Jahren hat eine heftige Gentrifizierung eingesetzt, bei der Hausbesitzer ihre Wohnungen zu Hotels oder Ferienwohnungen umwidmen. Der normale Einwohner hat dann das Nachsehen. Ein altes Stadtviertel nach dem anderen wird aufpoliert und ist dann für Otto Normalverbraucher nicht mehr erschwinglich. Inzwischen gibt es aber eine Gegenbewegung. Die Leute haben angefangen sich gegen Entmietung und Vertreibung zur Wehr zu setzen und organisieren sich in Bürgerkommitees – Ausgang ungewiss. Es dürfen jetzt keine Wohnungen mehr umgewandelt werden, aber wer will es kontrollieren bei 1,6 Millionen Einwohnern und weiteren Millionen Touristen.

City of sun

So sieht heute die Strandpromenade aus. Es gibt mehrere Kilometer palmengesäumten Strand mit guten Wegen zum Skaten und Fahrradfahren und einigen gepflegten Bädern. Am Wochenende ist hier die Hölle los, von April bis Oktober tummeln sich hier an Samstagen und Sonntagen hunderttausende Einwohner  und Touristen.

Sagrada Familia

Als ich das erste Mal in der Stadt war, standen von der Kirche Sagrada Familia wirklich nur diese Türme – inzwischen ist der Bau der Kathedrale weit fortgeschritten. Ehrlich gesagt enttäuschte mich das Ergebnis etwas. Was man hier nicht sehen kann: hinter den Türmen erstreckt sich jetzt ein riesiges, mir zu klotziges Kirchenschiff. Aber Antoni  Gaudi hat es wohl so gewollt, denn mit seinen Plänen wird (wohl noch Jahrzehnte) weitergebaut. Ich hätte es mir filigraner gewünscht (man kann die Baustelle übrigens täglich besichtigen). In der Keller-Krypta finden schon Gottesdienste statt, sie ist als erstes fertiggestellt worden. Aber Vorsicht, auch hier ist Touristenalarm angesagt. Wer Menschenmassen nicht mag, sollte es lieber sein lassen. Dann empfiehlt sich vielleicht ein Besuch in Figueres bei Girona, dort kann man dann auch das Dali Museum finden, wer ihn mag.

Park Güel

Der Park Güell, ebenfalls von Gaudi gestaltet. Wer sich für Architektur interessiert, sollte unbedingt noch eine Tour zu seinen grandiosen Stadthäusern buchen! Ebenfalls sehenswert das kleine, aber feine Picasso-Museum in der Altstadt. Ich empfehle April oder Oktober für einen Besuch in Barcelona. Im Sommer ist es viel zu voll und auch zu heiß in der Stadt.

http://www.salvador-dali.org/museus/teatre-museu-dali/en_historia/

http://www.museupicasso.bcn.cat/en/

http://www.sagradafamilia.org/en/

http://www.fmirobcn.org/en/

http://www.parkguell.cat/en/

(alle Fotos – Michael Grech)

„Wer mit dem Teufel…

…paktiert, wird dereinst im Feuer umkommen“
So lautete bei uns in „Almanya“ ein altes, christliches Sprichwort!

„No-win-Situationen“: Angela Merkel und der türkische Präsident Recep Erdogan

Ich glaube, unserer Kanzlerin ist die ganze Sache schon lange entglitten. Wie kommt man aus dieser Nummer wieder raus? Ich denke, egal, was sie nun entscheidet, die Wahl nächstes Jahr ist jetzt schon verloren. Danach wird nichts Gutes kommen und die AfD reibt sich schon heute die Hände.

Hierzulande muss die Kanzlerin nun mit dem Verdacht leben, sie sei wegen der Abhängigkeit vom türkischen Wohlwollen in der Flüchtlingsfrage erpressbar. Wie konnte man sich in die Hände eines solchen Mannes begeben? Dieser, selbst nach türkischen Gesetzen, Rechtsbrecher soll die Südgrenze der EU „absichern“ – und zu welchem Preis? Die „Böhmermann Affäre“ zeigt,  auf welch dünnes Eis sich unsere Regierung bereits begeben hat. Ohne Worte das alles… (foto – DPA).

Ein junger Hesse und Panama…

…oder warum dort wo Geld liegt, immer
noch mehr davon hingeschissen wird.

Nico Rosberg aus Wiesbaden am Rhein (gut, inzwischen mag er in Monaco oder sonstwo leben), Sohn eines Millionärs, nämlich des früheren Formel 1 Weltmeisters Keke Rosberg, ist quasi schon im Geld schwimmend aufgewachsen, in einer der teuersten und schönsten Städte Deutschlands, hier wo schon der Kaiser und die Zaren kurten und in der Spielbank  ihr Geld verjubelten. Inzwischen ist Nico ja in die Fußstapfen des Papas getreten und hat noch ein hübsches Sümmchen selbst dazu verdient zum großen Vermögen der Familie.

Nun fragt man sich natürlich, warum es solche Leute nötig haben noch Steuern zu sparen. Man sollte annehmen, es ist egal ob ich 100, 200 oder 300 Milliönchen habe – da kann ich mir immer noch 5 Autos, drei Häuser und eine Yacht leisten. Dieser Fall soll nur beispielgebend sein, für ein Problem, welches viel tiefer liegt, nämlich dem unglaublichen Geiz der Reichen und der gleichzeitigen Verarmung weiter Bevölkerungsschichten hier und in der ganzen Welt.

Deshalb kann ich auch  die gespielte Verwunderung und Empörung bestimmter Leute nach Veröffentlichung der Panama Leaks nicht ganz nachvollziehen. Das Ganze ist doch überhaupt nicht neu, was nicht heißen soll, dass ich mich nicht über die Enthüllungen der Reporter freue und sie auch für äußerst wichtig halte. Aber dies alles hatten wir so oder so ähnlich schon des öfteren, nur dass sich die Namen der Länder, die dem Geld Unterschlupf gewähren ändern.

Die Gier der Großkopferten und die beteiligten Geldinstitute sind immer die gleichen und darunter äußerst noble, wie die Zürcher UBS oder die Frankfurter Deutsche Bank. Da schüttelt man schon leise mit dem Kopf. Denn jedes mal nach solchen Scoups wird wieder Reue geheuchelt und Besserung gelobt, nur nichts passiert je.

Erst war es die Schweiz, die man angeblich trockengelegt hatte, dann die Bahamas und die Caiman Inseln oder zuletzt in anderer Form (nicht für Einzelpersonen sondern gleich für ganze Unternehmen) die Steuersparmodelle der Oberstadt von Luxemburg. Da war doch auch mal was mit Drogengeld, gewaschen von edlen amerikanischen Banken in Miami (die Steueraufsicht der USA sollte also nicht zu laut schreien) und nun also zur Abwechslung Panama City, die Stadt am Kanal.

Ich wage die traurige Vorhersage, dass, egal was in den nächsten Wochen noch aufgedeckt wird, es allsbald wieder im Sand verläuft.  Ein kurzer Empörungsfuror in der Talkshowlandschaft und der Presse und dann das Übergehen zur Tagesordnung – als da heißt: wo ist das nächste Schlupfloch? Glaubt mir, sie werden es finden und es wird wieder funktionieren. Bis zum nächsten Leak Bumms – Bussines as usual eben… 😉  Ich wundere mich da schon lange über gar nichts mehr!

 

Meine Bilanz der…

…“Verdienste“ eines Hans Dietrich Genscher sieht anders aus, als es jetzt wieder mit großen Krokodilstränen landauf, landab verkündet wird. Immer wenn jemand von diesen „Großen“ stirbt, erscheint deren Leben plötzlich flauschig und edel gewaschen in den Nachrufen. Sehr merkwürdig.

Die erste „Großtat“ des Hallensers im Exil war das Verschweigen der Agententätigkeit eines gewissen Günther Guillaume, den er in seiner Funktion als damaliger  Innenminister der Sozialliberalen Koalition, wider besseres Wissen weiter machen und damit Willy Brandt ins offene Messer laufen ließ. Damals hätte Genscher zurücktreten müssen und nicht Brandt – wir wissen, wer den Anstand bewies, Verantwortung zu übernehmen. Genscher war es jedenfalls nicht.

Der noch größere Sündenfall war der Sturz von Helmut Schmidt acht Jahre später. Man wechselte die Fronten während der Legislaturperiode und verhalf einem Kanzler ins Amt, der nicht gewählt war, aber die „Gnade der späten Geburt“ für sich beanspruchte – bis heute ein geflügeltes Wort. Das war ein einmaliger Vorgang in der 2. Deutschen Republik. Dies Manöver verschaffte dem Mann mit den Segelohren später die zweifelhafte Ehre, dienstältester Außenminister der Welt zu werden.

Dass er dann zufällig auf einem Balkon in der Tschechischen Hauptstadt Prag stand und etwas verkündete, was angeblich die „Wende“ mit eingeleitet hat, kann ich nicht als große Leistung sehen. Die Geschichte 1982 wiegt da viel schwerer,  war quasi ein Klotz am Bein dieses Wendehalses, der die Transformation der früher wirklich liberalen Partei der Baums oder Hamm-Brüchers, zu einer Art kleinen CDU unter Helmut Kohls Knute, einleitete. Damals verließen viele gute FDP Leute die Partei Richtung SPD und GRÜNE, der Rest ging in die innere Immigration oder war teilweise sowieso rechter als die gemässigten CDU Parlamentarier.

Der Ehrenbürger der Stadt Halle ließ sich dort feiern, als wenn er den Anschluss der DDR (ich nenne es bewusst so) allein bewerkstelligt hätte. Es war teilweise schon bizzar, wie seine Landsleute ihn als Helden feierten, über Jahre ging das noch so weiter. Nein, „Genschman“ war kein Held für mich und auch kein großer Staatsmann, denn er hat seine liberalen Ideale früh verraten, wenn sie denn überhaupt je existierten. Wir hatten in Genscher das Paradebeispiel des Opportunisten und kühl kalkulierenden Machtmenschen vor Augen, der stets sein Fähnchen in den Wind hängte.

Es war abzusehen, dass die SPD die Wahl 1984 nicht mehr gewinnen würde und so hat man einfach die Fronten gewechselt und 83 vorgezogen wählen lassen um rechtzeitig die Pfründe zu sichern. So kam es, dass diese kleine Partei von 1969 – 1998 fast dreißig Jahre lang an der Macht war und mit ihren damals 5 – 7 Prozent der Wählerstimmen immer den Außenminister und Vizekanzler stellte. Auch das hat noch keine andere Partei, zumal so eine Kleine, geschafft. Es mag in der Historie der FDP ein Verdienst sein, für die Republik war es eher lähmend – auch dies also kein Pluspunkt für Herrn Genscher.

Das einzig nette an der Wahl vom Herbst 1983, die uns dann 16 Jahre Helmut Kohl (Birne) einbrockte, war das erstmalige Einziehen der Grünen in den deutschen Bundestag. Ansonsten folgten politisch dumpfe und langweilige Jahre in den 80ern – ja, bis dann eben die Mauer fiel. Aber die haben andere Leute zum Einsturz gebracht als Birne und Genschman…