LUMINALE 2018

 

Wer in der Nähe wohnt, sollte in der kommenden Woche die Augen offen halten. Alle zwei Jahre findet die LUMINALE in Frankfurt und Offenbach statt. Es gibt sowohl spannende Projekte an diversen Außenfassaden, als auch viele Events in Galerien und anderen Innenräumen. Schaut mal ins Programm, am Sonntag gehts los:

http://luminale-frankfurt.de/startseite/

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Ellen M. Harrington

 

„Ich mag Frankfurt wirklich, es hat genau die richtige Größe für eine Stadt und ist voller Kultur. Ich glaube, keine deutsche Stadt ist da besser! Welche amerikanische Stadt kann da schon mithalten?“

Sowas hört man natürlich gern.  😀

(Ellen M. Harrington ist die neue Direktorin des Deutschen Filmmuseums)

„Capriccio“

 

Wer mich kennt, weiß dass ich ein großer Opern-Fan bin: speziell Wagner und Richard Strauss gehören zu meinen Lieblingen (auch wenn sie politisch verfemt sein mögen – dafür kann ja die Musik nichts). So will ich euch, wenn ihr im Umkreis von hundert Kilometern um Mainhatten leben solltet, die aktuelle Inszenierung der Oper Frankfurt, eines Spätwerkes des Meisters, wärmstens ans Herz legen!  Es lohnt sich, die gesanglich stark besetzte Aufführung zu erleben. Besonders beeindruckt hat mich Camilla Nylund als Gräfin! Nächste Termine Donnerstag und Samstag.

http://www.oper-frankfurt.de/de/spielplan/capriccio/?id_datum=1015

„Ein Frankfurter Kaufmann“…

 

Ich kann beim besten Willen nicht in die Lobhudeleien über Ignatz Bubis mit einstimmen. Sogar eine eigene  Gedenksendung im Fernsehen bekommt er. Was hat der Mann eigentlich gemacht, bevor er Zentralratsvorsitzender der Juden wurde? Ich habe Bubis in sehr schlechter Erinnerung aus den 70er Jahren. Er hat sich aktiv an der Zerstörung des Frankfurter Westends beteiligt und dabei noch eine goldene Nase verdient. Gentrifizierung nennt man sowas heute. Entmietung, mutwillige Zerstörung schöner Gründerzeit Bausubstanz, um dort hässliche Glastempel der Banken und Versicherungen zu errichten.

Aber das war noch nicht alles. Der Gipfel war die aktive Verhinderung des Stücks „Der Müll, die Stadt und der Tod“ von Rainer Werner Fassbinder, an den städtischen Bühnen Frankfurt, in den 80er Jahren. Dort hat sich Bubis als Kulturbanause hervorgetan und kam tatsächlich damit durch. Ein bis dahin nach dem Krieg einmaliger Vorgang in der Stadtgeschichte! Nein, Herr Bubis hat bei mir keinen „Judenbonus“. Unrecht bleibt Unrecht – warum hat ihn denn das Fassbinder Stück so aufgeregt? Weil der berühmte Regisseur DAS offen benannte, was Sache war! Bubis WAR ein Bauspekulant, viel Geld verdient HAT er damit und Jude war er auch! Also, wo soll da der Antisemitismus gewesen sein? Warum fühlte der Mann sich denn so auf den Schlips getreten? Weil die Geschichte wahr war – und wo bitteschön blieb dann bei der Bühnenerstürmung durch ihn und seinen Zögling Michel Friedmann die Freiheit der Kunst?

Inzwischen ist das Stück an diversen Theatern im In- und Ausland, übrigens auch in Israel, anstandslos gelaufen, ohne das ein Hahn danach gekräht hätte. „Ein Stück gegen Ignatz Bubis hätte eigentlich Tel Aviv zum Schauplatz haben müssen und nicht Frankfurt“, sagte einmal ein Israeli.

Denn nach dem Bauboom in Frankfurt, nahmen sich die selben Herren die Strandpromenade in Israels größter Stadt vor und verschandelten sie mit ähnlich hässlichen Hochhauskästen, wie vorher das Frankfurter Westend. Nein, das war ganz schlechter Stil! Niemand anders hätte sich solche Dinge ungestraft leisten dürfen. Ich weine Bubis deshalb und wegen seiner miesen Geschäfte keine einzige Träne nach – von wegen ein „Frankfurter Kaufmann“. So wichtig war Bubis wirklich nicht, dass man jetzt Land auf, Land ab übertrieben seiner gedenken müsste. Er war noch nicht mal ein besonders guter Zentralratsvorsitzender. Es reicht wirklich, dass eine Brücke in Frankfurt nach ihm benannt ist.

Das Nebelmeer

Rhein-Main covered

Nicht jeder, der in Frankfurt an einem grauen Wintertag zu Besuch ist, weiß, dass man dem Nebel auch entfliehen kann. Es ist gar nicht mal weit, denn auf dem Feldberg scheint bei der dann vorherrschenden Inversions-Wetterlage die Sonne. Dort oben ist es sogar wärmer als im Flachland, da die kalte Luft zwischen Taunus, Spessart und Odenwald, wie in einem Topf mit einem Deckel aus Warmluft darüber, festgehalten wird. Manchmal liegt die Nebelschicht sogar so niedrig, dass man den Fernsehturm und die Hochhausspitzen oben herausragen sieht. Das Foto wurde auf dem großen Feldberg aufgenommen und zeigt den kleinen Feldberg, der gerade noch aus den Wolken schaut. Blickrichtung Süd/Südwest.

(foto – eLKayPics / Lutz Koch)

Das hässlichste Haus Frankfurts

European Central Bank Frankfurt LX100

Dieser ungelenke Klotz steht etwas vor der City im Frankfurter Osten. Eigentlich eine Schmuddelecke, die aber zur Zeit, dank der vielen europäischen Bankangestellten, kräftig gentrifiziert, „aufgewertet“ wird. Dazu gehört auch der Skaterpark im Vordergrund. Vorne Skater, hinten Banker. In diesem Monstrum wird gerade die europäische Inflation vorbereitet, indem man immer billigeres Geld unter die Leute schüttet. Aber auch Null Zinsen bedeuten trotzdem, dass das Geld irgendwann zurückgezahlt werden sollte… das ist der Haken bei der Sache. Immer auf Pump leben, wird nicht ewig gut gehen. Und warum werden manche Staaten drangsaliert, während man Anderen das Geld nur so hinterher wirft? Fragen über Fragen, die uns der joviale, italienische Hausherr des Klotzes leider nicht beantworten möchte (oder kann). Ganz in der Nähe befindet sich übrigens auch der Frankfurter Zoo mit unseren lieben affigen Freunden. Dort könnten die Banker, wenn sie wollen, ihre wohlverdiente Mittagspause verbringen und den Orangs, Gorillas, Schimpansen und Bonobos beim relaxen zuschauen – ihr Job ist doch sooo stressig…

(foto – Dino Dominic Manns)

Ina Hartwig

Die Personalie ist zwar noch nicht 100% spruchreif, aber es zeichnet sich
in der Nachfolge des gerade zurückgetretenen Frankfurter Kultur-Dezernenten Felix Semmelroth, eine faustdicke und wie ich finde, sehr erfreuliche Überraschung ab! Die studierte Germanistin und Romanistin Ina Hartwig war ja lange Jahre Leiterin des Literatur-Ressorts der Frankfurter Rundschau (bevor diese an die FAZ verkauft wurde) und arbeitet zur Zeit am Berliner Wissenschafts-Kolleg an einer Ingeborg Bachmann Biographie (auch dies sehr löblich!).

In guter Erinnerung ist uns Frau Hartwig mit ihren stets kompetenten und uneitlen Literaturkritiken für diverse Fernsehformate, als da wären „3sat-Kulturzeit“, „Lesenswert“ oder „Aspekte“. Sollte diese Nominierung Wirklichkeit werden, wäre die Frankfurter SPD, die innerhalb der Römer-Koalition für eine Neubesetzung dieses Postens zuständig ist, tatsächlich einmal über ihren Schatten gesprungen und hätte eine nicht dem Proporz, sondern der Dienlichkeit für die Kunst geschuldete Entscheidung getroffen. Dann würde ich sogar leise Bravo rufen! Aber warten wir erst einmal die Bestätigung ab…