20. Juli – ein Gedenktag ?

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Ich hatte schon immer meine Schwierigkeiten mit diesem Gedenktag. Adelige Offiziere die mit Begeisterung fünf Jahre Krieg für Hitler geführt haben, entschließen sich drei Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion und eineinhalb Jahre nach Stalingrad, also zum einem Zeitpunkt als der Krieg definitiv verloren war, zu einem Attentat. Was danach gekommen wäre – sicher nicht die Demokratie. Ganz davon abgesehen, dass es genug 300% Generäle gab, die da nie mitgemacht hätten. Und Himmler mit seinem Machtapparat aus Gestapo und SS plus Waffen-SS hätte man ja auch noch überwinden müssen. Nee, mir wäre ein Elser- oder van Lubbe-Tag, ein Scholl- oder Bonhoefer-Tag wesentlich lieber. Oder vielleicht ein Gedenktag des weithin unbekannten Widerstands, den es nämlich 1000fach gab, ohne das wir heute noch Namen kennen.

Warum die Bundeswehr und unser Staat ausgerechnet dieser paar Leute gedenkt, die nun wirklich keine Helden waren, ist mir schleierhaft und war mir schon immer dubios. Jedes Jahrzehnt hat ein anderer Regisseur sich daran versucht, etwas heroisches aus dieser Verschwörung von Offizieren zu machen. Für mich kam ihre Einsicht einfach zu spät. Dies ist das größte Problem, welches ich mit dem Attentat des 20.Juli habe. Die Offiziere leisteten bereits seit den 30er Jahren ihren Eid auf den Führer. Sie wussten was sie 1939 für einen Krieg begannen und wussten auch genau, dass die Qualität sich 1941 nochmals ganz klar in Richtung Vernichtungskrieg verschob. Sie haben die niedergebrannten Städte und die verhungerten russischen Kriegsgefangenen gesehen und das über Jahre. Andere, weniger privilegierte Attentäter waren da viel mutiger und auch früher dran. Gelungen ist es leider keinem von ihnen. Mein Vater war noch Soldat und durfte sich von den Herren Offizieren durch die Gegend scheuchen lassen – mit viel Glück hat er den Wahnsinn überlebt…

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3 Gedanken zu “20. Juli – ein Gedenktag ?

  1. Absolut richtig.
    Während es mehrere 10 000 Menschen gab, die zum großen Teil seit 1933 im KZ saßen und übelste Torturen über sich ergehen lassen mussten bzw schon seit Jahren tot waren, haben einige Offiziere erst mal alles mitgemacht und Hitler zu Blitzsiegen verholfen, um dann als die Niederlage unabwendbar war, einen Putsch zu starten.
    Das heißt Mitläufer des NS-Regime werden in der BRD zu Helden stilisiert und wahre Widerstandskämpfer z.B Gewerkschafter, Kommunisten, Theologen oder der „einfache“ Wehrdienstverweigerer werden in die Vergessenheit geschoben.

    Hier ein interessanter Link.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Opfer_der_NS-Milit%C3%A4rjustiz

    Während Offizieren Denkmäler gebaut wurden,
    wird dem „einfachen“ Soldaten bis in die 90 Jahre eine Rehabilitierung vorenthalten.
    Doppelmoral ala Bundesrepublik.

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    1. Ja, oder sie werden als Deserteure diffamiert, obwohl das einzig Vernünftige am Ende des Krieges war, sich aus dem Staub zu machen. Euer früherer Ministerpräsident Filbinger hat als Marinerichter solche Leute noch in den letzten Tagen des 3.Reiches zum Tode verurteilt und trotzdem Karriere in der BRD gemacht. Andere schlechte Beispiele sind Globke oder Kiesinger. Beim früheren Präsidenten Österreichs und dann sogar UN-Vorsitzenden Waldheim hat die SS-Mitgliedschaft auch nie jemand gestört.

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