„Ein Frankfurter Kaufmann“…

 

Ich kann beim besten Willen nicht in die Lobhudeleien über Ignatz Bubis mit einstimmen. Sogar eine eigene  Gedenksendung im Fernsehen bekommt er. Was hat der Mann eigentlich gemacht, bevor er Zentralratsvorsitzender der Juden wurde? Ich habe Bubis in sehr schlechter Erinnerung aus den 70er Jahren. Er hat sich aktiv an der Zerstörung des Frankfurter Westends beteiligt und dabei noch eine goldene Nase verdient. Gentrifizierung nennt man sowas heute. Entmietung, mutwillige Zerstörung schöner Gründerzeit Bausubstanz, um dort hässliche Glastempel der Banken und Versicherungen zu errichten.

Aber das war noch nicht alles. Der Gipfel war die aktive Verhinderung des Stücks „Der Müll, die Stadt und der Tod“ von Rainer Werner Fassbinder, an den städtischen Bühnen Frankfurt, in den 80er Jahren. Dort hat sich Bubis als Kulturbanause hervorgetan und kam tatsächlich damit durch. Ein bis dahin nach dem Krieg einmaliger Vorgang in der Stadtgeschichte! Nein, Herr Bubis hat bei mir keinen „Judenbonus“. Unrecht bleibt Unrecht – warum hat ihn denn das Fassbinder Stück so aufgeregt? Weil der berühmte Regisseur DAS offen benannte, was Sache war! Bubis WAR ein Bauspekulant, viel Geld verdient HAT er damit und Jude war er auch! Also, wo soll da der Antisemitismus gewesen sein? Warum fühlte der Mann sich denn so auf den Schlips getreten? Weil die Geschichte wahr war – und wo bitteschön blieb dann bei der Bühnenerstürmung durch ihn und seinen Zögling Michel Friedmann die Freiheit der Kunst?

Inzwischen ist das Stück an diversen Theatern im In- und Ausland, übrigens auch in Israel, anstandslos gelaufen, ohne das ein Hahn danach gekräht hätte. „Ein Stück gegen Ignatz Bubis hätte eigentlich Tel Aviv zum Schauplatz haben müssen und nicht Frankfurt“, sagte einmal ein Israeli.

Denn nach dem Bauboom in Frankfurt, nahmen sich die selben Herren die Strandpromenade in Israels größter Stadt vor und verschandelten sie mit ähnlich hässlichen Hochhauskästen, wie vorher das Frankfurter Westend. Nein, das war ganz schlechter Stil! Niemand anders hätte sich solche Dinge ungestraft leisten dürfen. Ich weine Bubis deshalb und wegen seiner miesen Geschäfte keine einzige Träne nach – von wegen ein „Frankfurter Kaufmann“. So wichtig war Bubis wirklich nicht, dass man jetzt Land auf, Land ab übertrieben seiner gedenken müsste. Er war noch nicht mal ein besonders guter Zentralratsvorsitzender. Es reicht wirklich, dass eine Brücke in Frankfurt nach ihm benannt ist.

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6 Gedanken zu “„Ein Frankfurter Kaufmann“…

  1. au weia, jetzt komme ich in echte Verlegenheit. WIe gerne hätte ich hier eine eigene fundierte Meinung zu dieser Frage. … – Danke für Dein Statement – es hat dazu geführt, dass ich eben mal ein bisschen was nachgelesen hab zu dem Thema. Sehr interessant; und für mich noch sehr undurchschaubar. Hier gilt es sicher, Klischees zu orten, offenzulegen und an ihren Platz zu stellen, aus welcher Ecke sie auch kommen mögen. Ich halte das Thema (Rolle Zentralrat der Juden / Repräsentant jüdischer Kultur / Anliegen in Deutschland) für äußerst vielschichtig und wichtig, gerade in einer Zeit, wo antisemitische Tendenzen neuen Auftrieb erhalten.

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    1. Gerade deshalb stehe ich ja zu meiner Meinung, weil ich eben nicht in die Falle des angeblichen Antisemitismus gestellt werden möchte. Nur habe ich halt all diese Geschehnisse ganz live miterlebt und weiß wovon ich spreche. ich könnte auch stille Schweigen und mir meinen Teil denken. Aber genau an diesem Punkt nicht! Ich hasse nämlich Geschichtsklitterung – nichts anderes geschieht hier gerade in den Medien! Ich befinde mich da auch in guter Gesellschaft von Juden, die diese Geschichte ähnlich bewerten, wie ich. Nicht alle liebten Bubis.

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      1. Eben; das glaube ich Dir. Mir fehlt der persönliche Bezug, wie ich in zu einem Ranicki ohne Weiteres habe. Du hast mich darauf gestoßen, dass ich die Position Bubis bisher in keiner Weise in Frage gestellt habe.

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        1. Auch Ranicki hatte seine Ecken und Kanten, ist manchmal ungerecht gewesen – aber damit kann ich umgehen, sein Lebenswerk würde ich deshalb nicht in Frage stellen.

          Mir ging es bei der Bubis Geschichte auch gar nicht so sehr um den Mann selbst, sondern um die merkwürdig verklärende Rezeption seiner Vita in den Medien heute. Man kann da nicht plötzlich ganz wichtige Dinge völlig ausklammern. Das ist das Problem!

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