Joachim Ringelnatz

SYLVESTERGEDICHT

Dass bald das neue Jahr beginnt,
spür ich nicht im geringsten.
Ich merke nur: Die Zeit verrinnt
genauso wie zu Pfingsten.

Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
in heimlichen Geweben.
Wenn heute Nacht ein Jahr beginnt,
beginnt ein neues Leben.

Che Lan Vien

 

Der Mond steigt herab in die Schatten des Palmenlaubs
Das Schauspiel endet, der Bambus feucht vom kalten Tau
Fern kräht ein Hahn, während der fahle Mond versinkt
Und dir zündet das Palmblatt die Fackel zum Heimweg.

J. Wolfgang v. Goethe

 

ATMOSPHÄRE

»Die Welt, sie ist so groß und breit,
Der Himmel auch so hehr und weit;
Ich muß das Alles mit Augen fassen,
Will sich aber nicht recht denken lassen.«

Dich im Unendlichen zu finden,
Mußt unterscheiden und dann verbinden.
Drum danket mein beflügelt Lied
Dem Manne, der Wolken unterschied.