Enceladus ganz nah

Diese Nahaufnahme der Sonde Cassini Huygens zeigt, dass die Oberfläche des eisigen Saturnmondes Enceladus keinesfalls so glatt ist, wie es aus der Entfernung scheint. Sie ähnelt eher einem großen Gletscher, mit tiefen Rinnen, Verwerfungen und Spalten (foto-NASA).

Deutsches Jazzfestival Frankfurt

DER DRITTE ABEND UND FAZIT

Heute gab es noch drei Leckerbissen für die Jazzfreunde. Zuerst versuchte sich die Big Band mit mäßigem Erfolg an Frank Zappas “Jazz from Hell” – das Projekt hat mich nicht wirklich überzeugt, das war einfach zu brav. Danach hörten wir Avishai Cohen aus Israel zusammen mit Mark Turner und den beiden Japanern als Sidemen. Ein klasse Konzert – hört mal in den Mitschnitt rein! Und zum Schluss gab es experimentelle Klänge von Alfred Harth und Chris Cutler in Anlehnung an „Cassiber“. Auch diese Geschichte hat mich nicht vollends überzeugt – aber man kann nicht alles haben. Mein Fazit dieses Jahrgangs: Highlight war Roscoe Mitchell mit Jack DeJohnette gestern, schön auch das Mantler Projekt der Big Band am ersten Abend und hörenswert heute das Mark Turner/Avishai Cohen Konzert.

http://www.hr-online.de/website/specials/extended/index.jsp?rubrik=93552&startrubrik=57993

Alle Aufnahmen sind ab jetzt „on demand“ bei „arte-concert“ verfügbar!

Franz Kafka

Als er ausbrach, in den Wald kam und verlorenging, war es Abend. Nun, das Haus lag ja am Wald. Ein Stadthaus, regelrecht städtisch gebaut, einstöckig, mit einem Erker nach städtischem oder vorstädtischem Geschmack, mit einem kleinen vergitterten Vorgärtchen, mit feinen durchbrochenen Vorhängen hinter den Fenstern, ein Stadthaus, und lag doch einsam weit und breit. Und es war ein Winterabend und sehr kalt war es hier im freien Feld. Aber es war doch kein freies Feld, sondern städtischer Verkehr, denn um die Ecke bog ein Wagen der Elektrischen, aber es war doch nicht in der Stadt, denn der Wagen fuhr nicht, sondern stand seit jeher dort, immer in dieser Stellung, als biege er um die Ecke. Und er war seit jeher leer und gar kein Wagen der Elektrischen, ein Wagen auf vier Rädern war es und in dem durch die Nebel unbestimmt sich ausgießenden Mondlicht konnte er an alles erinnern. Und städtisches Pflaster war hier, pflasterartig war der Boden gestrichelt, ein musterhaft ebenes Pflaster, aber es waren nur die dämmerhaften Schatten der Bäume, die sich über die verschneite Landstraße legten.

(aus den Oktavheften)

Bo Lo-Tian

VERDORRTER MAULBEER

Am Wegesrand ein alter dürrer Stamm –
Die Dürre kam ihm nicht an diesem Tag:
Die Rinde gelb, von außen wähnt man Saft,
Das Mark geschwärzt, von innen her verdorrt,
Gehts ihm wie vielen, die gebeugt der Schmerz
Und nicht die äußren Feuer ausgebrannt…

Kosmisches Feuerwerk NGC 1333

Ein Cluster aus jungen Sternen, alle unter zwei Millionen Jahre alt, ein Wimpernschlag gemessen an der Lebensdauer einer Sonne – quasi eine Sterngeburtsstätte. Diese Sonnen werden noch Milliarden Jahre glühen!  Das Bild der NASA kombiniert Aufnahmen des Röntgenteleskops Chandra mit solchen des Spitzerteleskops im infraroten Spektrum.

Fred Vargas

In dem neuesten Roman der französischen Autorin verirrt sich Kommissar Adamsberg nach Island, wo er einen skurillen Fall zu klären hat. Ich bin eigentlich nicht der große Krimifan, aber bei Frédérique Audoin-Rouzeau mache ich schon länger eine Ausnahme. Wusstet ihr, dass die Dame gelernte Archeozoologin ist – das erklärt einiges. Wer so einen seltenen Beruf erlernt hat, darf auch mit einer überbordenden Fantasie gesegnet sein.  „Temps glaciaires“, so der französische Originaltitel, handelt von zweierlei eisigen Zeiten: Den tödlichen Tagen auf Island (fast auch tödlich für Adamsberg und seine Kollegen), sowie der grausam wütenden Französischen Revolution vor 220 Jahren. Ganz nebenbei lernen wir in großartiger Charakterzeichnung Gestalten dieser Revolution kennen, deren Nachfahren wohl etwas mit dem aktuellen Fall zu tun haben – ich will nicht zu viel verraten. Das Buch ist empfehlenswert, auch für nicht Krimi Junkies!

Fred Vargas: „Das barmherzige Fallbeil“ – Kriminalroman. Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze. Limes 2015. 512 Seiten, 19,99 Euro.

Isabeella Beumer

ABRECHNUNG GEGEN

abrechnung gegen
gleichzeitigkeit und
den schwarzen fleck der glut gefacht
feuer roter augenfahnen
einer fieberhaften  trommel
unregelmässige schläge der herzen
mechanische kälte in die zeit gepresst
nichts als gekämmte narben
spitzen  die  schärfe  glänzender  säbel
pfade in die angst signiert
bis das schwarz der vögel
blasse gesichter härtet.
fieberhafte schläge in die zeit gepresst
das schweigen der glut gefacht
schläge der herzen verwittern das geräusch
wind als schrei hinter türen
an die wände gespritzt
in augen toter pferde ein lied gesungen
frauen wenden ihr gesicht
in tiefstürzenden atem
der furcht gebar.