Warum Bayern mein ungeliebtestes Bundesland ist

Dies ist ein Beitrag aus meinem alten Blog, den ich aber nicht untergehen lassen will, weil er damals ein sehr großes Echo hatte. Wie ich überhaupt zur Zeit hier im neuen Blog, ältere zeitlose Beiträge aus dem anderen Blog unter die Aktuellen mische, damit  nicht alles den Bach runter geht…

Bayern polarisiert, je weiter man nach Norden kommt und da ich ja eigentlich auch ein Nordlicht bin, von der genetischen Ausstattung her, ist der Blick auf unser größtes Bundesland immer noch mit viel fremdeln verbunden. In Frankfurt hat man zwar Unterfranken vor der Tür, aber das ist nicht Bayern. Bitte daher in dieser Glosse nicht alles zu bierernst nehmen, wenn auch einige sehr ärgerliche und wahre Aspekte dahinter stehen…. 😉

los gehts:

„Natürlich meine ich damit nicht in erster Linie die Menschen, sondern so einige Merkwürdigkeiten und Geschichtsverdrehungen der letzten Jahrzehnte. Und natürlich muß ich meine lieben Nachbarn aus Franken gänzlich aus dieser Betrachtung herausnehmen. Alles was sich in Mainlanden abspielt bis hinten ins Hofer Eck, auch noch die Oberpfalz, das ist für mich sowieso nie und nimmer Bayern. Auch die Nürnberg, Fürth, Erlanger Gegend ist nicht Bayern! Nein, jetzt im Ernst. Die Merkwürdigkeiten fangen schon nach dem 2. Weltkrieg an.

Da sehen wir ein bitterarmes Agrarland mit zwei, drei völlig zerstörten Großstädten und vielen von Flüchtlingen aus dem Osten überfüllten kleinen Landstädtchen. Industrie gab es so gut wie gar nicht. Dann wurde nach erfolgter Gründung der neuen Bundesrepublik das geniale Instrument des Länderfinanzausgleichs geschaffen. Das Prinzip: wohlhabendere Länder, die meist im Norden und Westen der Republik zu finden waren, unterstützen die Armen im Süden. Bayern war eines davon. Man päppelte die Alpenanrainer Jahrzehnte lang auf und ermöglichte ihnen mit der Zeit, eine florierende Autoindustrie, moderne Zukunftstechnologie wie Raumfahrtunternehmen oder Kernkaftwerke zu bauen.

Die Bayern erlebten einen bescheidenen Wohlstand, wenn man einmal vom Speckgürtel um München herum absieht, der immer reich war. Weiß eigentlich heute noch jemand, dass die Bayern bis unter Goppel, ja sogar noch in den späten Straußjahren Empfängerland im Länderausgleich waren? Erst seit der Wende und der „Eingemeindung“ der DDR wurden die Bazis plötzlich zum Geberland. Nun gab es im Osten reichlich Länder, die Hilfe brauchten und ärmer waren. Knurrig machte man gute Miene zum bösen Spiel und zahlte. Nicht ohne fortan den Larry raushängen zu lassen, von wegen „mir san mir“, „Mitte Europas“, „modernstes Land Deutschlands“ und so weiter und so fort. Man hatte plötzlich vergessen, wo man mal in den vierziger Jahren angefangen und dass man Jahrzehnte lang von Hamburg, NRW und Hessen kassiert hatte, und nur dieser Tatsache den eigene Wohlstand sowie die leidliche Integration der Ostflüchtlinge verdankte.

Nun ist das Wehgeschrei groß, weil es mal NRW schlecht geht und dorthin Geld aus Bayern fließt. Vom Osten ganz zu schweigen. Ja haben denn diese Ossis immer noch nicht genug? Man hat sie doch jetzt 25 Jahre alimentiert (bei einem selbst waren es deren 40). Auch auf das eigene Bildungswesen hält man sich viel zu gute. Jetzt kommt heraus, dass Bayern das mit Abstand am meisten verschuldete Land im Bund ist, sowohl auf Landes- als auch auf kommunaler Ebene. Ach so habt ihr das gemacht – fein, fein. Ich will gar nicht näher auf Dialekt und Volksbräuche eingehen.

Da gibt es dieses Fest, wo wochenlang in riesigen Zelten Koma gesoffen wird und alle machen mit, sogar die Promis. Es gibt auch einen großkopferten Fussballclub, den eigentlich im Rest der Republik keiner mag, der aber Vorstandsmitglieder hat, die Uhren schmuggeln, im Knast sitzen oder gerade unter Anklage der Korruption stehen. Aber „mir san mir“, was geht uns das Geschwätz der Leute an, wir machen trotzdem weiter wie zuvor.

Die Polizei in Bayern ist recht prügelfreudig auch gegen die eigenen Leute. So ein Bayer der hält schon was aus. Deshalb gibt es im ganzen Land von Rosenheim über Nürnberg bis Aschaffenburg diese Prügelexzesse auf den Polizeiwachen – keine Ahnung, aber vielleicht lernt man das so auf den südlichen Polizeischulen.

Dann noch diese Geschichte mit dem „Freistaat“. Was soll an Bayern freier sein, als an den anderen Fünfzehn? Und warum hält man sich als einziges Bundesland eine eigene Partei, die ständig querulantisch querschießt, sich in einem krankhaften Profilierungswahn befindet und versucht andere Parteien, wie Reps, NPD, AfD und demnächst wahrscheinlich auch noch Pegida rechts zu überholen und dabei gleichzeitig zu beteuern, man sei die fortschrittlichste Partei auf Gottes weiter Erde (mit dem geringsten Frauenanteil in allen internen Ebenen). Dies „Mir san mir“ eben.

Nein die Nordeutsche, im Rheinland aufgewachsene und in Frankfurt „hängengebliebenene“ Autorin – sozusagen knapp oberhalb des Weißwurstäquators – wird mit dieser komischen Spezies „da unten“ in diesem Leben sicher nicht mehr warm. Nur 30 km vor den Toren Frankfurts wächst schon der erste Frankenwein an den Hängen des Spessarts, die man bei klarem Wetter im Osten auch bis hier her sehen kann. Ein lohnendes Ziel bei schönem Wetter mit dem Fahrrad. Dann hat man die ersten Schilder mit den weißblauen Rautenmustern schon passiert und wird tatsächlich mit einem noch größeren, klotzigen Plakat begrüßt, auf dem steht „Willkommen im Freistaat Bayern“.

Fährt man wieder heim, sieht man erneut ein Schild: „Sie verlassen jetzt den Freistaat Bayern“(kein Witz). Dabei soll man wohl traurig sein – aber ich bin es nicht. Was wohl all diese Schilder an sämtlichen „Außengrenzen“ der Bayernrepublik gekostet haben mögen? Ich bin dann jedesmal sehr froh, endlich wieder hessischen Boden zu betreten. Fast so, wie damals, wenn man vom Verwandtenbesuch aus der DDR kommend, wieder bundesrepublikanischen Boden betrat und sich dieses beklommene Gefühl legte, welches man die ganze Zeit unterschwellig mit sich herum getragen hatte. Man wird auf bayerischen Straßen mit hessischen Kennzeichen doch zu gerne kontrolliert, das kennen wir schon.

Nein, die Badener und die Schwaben sind mir bedeutend lieber und natürlich die norddeutsche Tiefebene – da stehen nicht solche komischen Schilder herum, es wird höchsten mal auf eine schöne Burg oder eine andere Sehenswürdigkeit hingewiesen. Nehmt euch nicht so furchtbar wichtig ihr Bayern, meist ist euer Treiben eher unfreiwillig komisch für uns Preußen!

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